Nachgefragt im UKD- Ossilinchen trifft die Palliativstation

Was verbindest du mit dem Wort Palliativstation? Die meisten verbinden die Palliativstation wohl mit „letzter Weg“, „hier stirbt man“ oder mit „hier könnte ich nicht arbeiten“… das zeigen mir auch eure Antworten auf Instagram.

Wenn ich euch jetzt sagte, dass die Palli ein wundervolles Fachgebiet ist, dann werden die meisten nun etwas verdutzt vor dem Handy oder PC sitzen. Doch die Palliativmedizin ist viel mehr als „sterben“. Es geht eher darum, Leiden zu mindern und den Patienten so viel schöne Zeit zu schenken, wie nur möglich! Fakt ist, dass die Palliativmedizin immer dann zum Einsatz kommt, wenn es eine infauste Prognose gibt. Also auf lange (oder kurze) Sicht keine Heilungschancen vorhanden sind. Die schöne Zeit können dann entweder wenige Tage oder Wochen bis hin zu Jahren sein. Und so ist es gut möglich, dass ein Patient auf der Palli liegt und in die Häuslichkeit oder ins Hospiz entlassen wird.


Ich selbst war vor fast 11 Jahren als Azubi auf der Station im Uniklinikum Dresden und ich empfand das Arbeiten als ein sehr schönes aber auch anspruchsvolles. Sicherlich sieht man viel „Leid“ aber bis heute liegt mir das Thema einfach sehr am Herzen und ich arbeite trotz ITS Hintergrund gern mit palliativen Patienten zusammen.
Die Arbeit ist meist entschleunigter, wenn ich sie mit meiner Arbeit auf Intensivstation vergleiche. Die Patienten können (meist) sagen, was ihnen fehlt, man hat auf Station auch in der Tat andere Möglichkeiten. Die Patientenküche auf der Palli hat mich schon damals fasziniert. Egal, worauf die Patienten Appetit haben, möglich ist fast alles, auch weil die Angehörigen mitbringen können, worauf der Patient Appetit hat. Ganz wichtig ist hier auch, dass die Angehörigen aufgefangen und gut betreut werden. Es ist eben ein ganz anderes Arbeiten, was man so mit keinem Fachgebiet vergleichen kann.

Da das Thema Sterben und Tod aber zwangsläufig auch etwas mit der Palliativstation zu tun hat, möchte ich euch heute einen Einblick in das Thema Sterbebegleitung geben aber auch darauf eingehen, was wir als Pflegekraft nach dem Versterben eines Patienten noch zu tun haben. Es wird also heute ein spannender aber auch emotionaler Beitrag. Ehrlich, herzlich und direkt von Station. Damit ich zu meiner fachlichen Kompetenz noch jemanden von der Palliativstation dabei habe, habe ich mich mit Janet Freitag, der Stationsleitung der Palliativstation getroffen. Sie ist genau der richtige Ansprechpartner für diesen Blog Beitrag.


Beginnen möchte ich mit euren Fragen, denn da sind viele schöne dabei. Weiter unten werde ich euch dann von meinen Erfahrungen auf der Hämatologie erzählen. Fast 5 Jahre war der Bereich Onkologie der Bereich, in dem ich gearbeitet habe. Ich habe sogar meine praktische Prüfung für mein Examen auf der Onkologie gemacht.  Die ein oder andere Geschichte habe ich für euch aufgeschrieben, denn auch ich habe viele Menschen in den Tod begleitet.

– Ab wann kommt ein Mensch auf Palliativstation, welcher Zeitpunkt der Erkrankung „muss“ erreicht sein.

Gegeben sein muss immer die infauste Prognose. Wichtig für die Aufnahme ist, dass ein Patient, der beispielsweise in der Klinik liegt starke Symptome hat, die eine Normalstation in dem Umfang einfach nicht bewältigen kann. Beispielsweise starke Luftnot, Übelkeit, massives Erbrechen, starke Schmerzen oder vermehre Schwäche. Dann wird eine Anmeldung klinikintern ausgefüllt. Wenn der Patient ambulant mit Spezialisierten ambulanten Palliativpflegedienst versorgt ist, dann stellen diese die Anforderung.

Generell kann man sagen, wenn die Symptomlast so groß ist und eine Palliative Grunderkrankung da ist, dann ist es eine Indikation für die Palliativstation. Hier geht es dann um Lebensqualität!

– Gibt es Therapietiere?

Nein, allerdings können eigene Haustiere mitgebracht werden. Hund, Katze, Wellensittich, nichts unübliches auf der Palli. Allerdings dürfen die liebsten Vierbeiner nur zu Besuch kommen! Therapiemäßig gibt es zusätzlich die Kunst- & Musiktherapie. Zusätzlich bieten manche Schwester auf Wunsch eine Reflexzonenmassage oder eine Klangmassage an.

– Kann man sich selbst auf Palli einweisen lassen, wenn „Nichts mehr geht“?

Eine Selbsteinweisung ist nicht möglich. Möglich ist aber der Weg über den Hausarzt, der dann eine Krankenhauseinweisung für die Palliativstation ausstellt. Wenn man an das Brückenteam (SAPV) angebunden ist, dann kann auch dieses Team eine Anmeldung schreiben.

– Geht man als Patient generell auf die Palliativ, wenn es dem Ende zu geht?

Nein, natürlich geschieht nichts gegen den Willen des Patienten. Ist man auf Normalstation und die Ärzte/ Schwestern merken, dass eine palliative Versorgung vonnöten wäre, dann wird es dem Patienten angeboten. Ebenfalls so erfolgt es, wenn man nicht im Krankenhaus ist, also ambulant betreut wird.

– Gibt es eine Möglichkeit für Patienten , zum Beispiel von ITS, die eine infauste Prognose haben, zu Hause zu sterben und nicht im Krankenhaus? Gibt es dafür Konzepte? Unterstützt die Palliativstation bei der Vermittlung?

Möglich ist natürlich im gewissen Maße genau das, was der Patient und die Angehörigen wollen. Die Palli kann da nicht vermitteln aber der palliative Konsiliardienst im UKD.

Generell stellt sich die Frage, ob der Patient überhaupt transportfähig ist. Braucht er eine Beatmung zu Hause? Wenn ja, dann ist die Umsetzung schwer, denn stellt man die Beatmung ab, würde der Patient sofort sterben. Auch muss klar sein, ob die Angehörigen das zu Hause stemmen können. Es sollte jedem bewusst sein, dass ein Patient zu Hause nicht die umfänglichen Leistungen wie im Krankenhaus hat.

– Wie erfolgt die Umsetzung der Sterbebegleitung?

Auch das ist eine ganz individuelle Sache. Diese Frage kann man nicht pauschal beantworten.

Manchmal kommen Patienten direkt als Verlegung und sind schon präfinal (kurz vor dem Sterben). Hier geht es manchmal ganz, ganz schnell. Der Patient ist eher unbekannt, andersrum genauso. Man versucht es trotz der Unbekanntheit so würdevoll wie möglich zu gestalten, man ist dabei.

Manchmal zieht sich der Sterbeprozess aber über mehrere Tage bis Wochen. Hier ist es dann wirklich möglich, den Patienten kennenzulernen und auf seine Wünsche/ Vorlieben einzugehen. Auch die Angehörigen spielen hier eine sehr große Rolle.

Manchmal wollen Patienten allein sterben, oftmals sind das die Menschen, die ihr ganzes Leben lang immer alles mit sich ausgemacht haben. Dann muss man das respektieren. Vor allem für die Angehörigen ist es schwer, weil sie dann unter anderem Denken, dass es doch nicht schön ist, allein zu sein. Doch ganz oft gibt es die Fälle, dass Patienten gerade dann sterben, wenn sie allein sind. Dann haben sie es sich ausgesucht. Es ist wichtig, das den Angehörigen zu vermitteln, sie aufzufangen.

Zu dem ganzen Thema gehört ganz viel Feingefühl und Professionalität. Jede Sterbebegleitung ist anders, eben wie jeder Patient auch anders ist.

– Welche Freiräume gibt es, die es auf anderen Stationen nicht gibt?

Vor allem ist es der Platz für Individualität. Jeder Patient ist anders und darauf können die Schwestern und Pfleger eingehen.
Möchte ein Patient rauchen gehen, dann kann das Personal den Wunsch umsetzen. Auch Gespräche mit Patienten und Angehörigen sind ganz wichtig. Hier gibt es die Zeit für genau das.

Auch ist es die „Mut zur Lücke“. Möchte ein Patient nicht gewaschen werden, möchte er seine Tabletten nicht nehmen, dann ist das okay. Es ist der Körper des Patienten und die Wünsche können und werden hier nochmal ganz anders wahrgenommen und umgesetzt.

Auch haben die Schwestern die Möglichkeit, den Patienten Eis aus Sekt, Fanta, Cola oder Sprite zu machen. Ein Bad kann der Patient nehmen, wenn die Männer (oder Frauen) wollen, dann ist auch ein Bier möglich.

Das Patientenbad mit Lifter.

Alles, was hier so locker flockig einfach von der Hand klingt bereitet den Patienten ein gewisses Stück „Normalität“ und vor allem auch Lebensqualität. Um genau die geht es eben in der Palliativmedizin!

Besondere Anlässe wie Hochzeiten, Taufen von Erwachsenen oder Geburtstage sind kein Problem. Der Raum, um kreativ zu sein ist gegeben und die Zeit ist glücklicherweise auch da.

– Können Angehörige von weiter weg vor Ort auf Station Abschied nehmen? Wie lange ist ein Verstorbener auf Station?

Ja, das ist möglich. Es gibt zum verabschieden beispielsweise auch einen Raum der Stille. So kann ein neuer Patient aufgenommen werden, da das Zimmer ja frei ist aber man kann sich in würdevoller und schöner Umgebung noch verabschieden. Auch kann das Zimmer runter gekühlt werden.

Raum der Stille.
Raum der Stille, links ein Klavier.


Patienten verbleiben 24 h auf Station. Das Personal fragt auch nach, ob jemand von weiter weg kommt, und wann derjenige dann in etwa da ist.

 – Was sind die Aufgaben einer Schwester, wenn der Patient verstorben ist?

Grundlegende Dinge sind gleich, manche sind von Schwester zu Schwester verschieden. Ich werde mal das aufzeigen, was mir die Schwester , mit der ich mich unterhalten habe, als wichtig mit auf den Weg gegeben hat.

Zum einen wird das Fenster geöffnet, damit die Seele die Chance hat zu entweichen. Ihr ist es auch wichtig, dass der Patient einen Moment liegen kann, er Zeit zum lösen hat und man nicht gleich pflegerische Tätigkeiten an ihm ausübt.

Wichtig ist ihr, dass der Patient immer angesprochen wird, auch ich mache das so. Ich rede mit jedem meiner Patienten.

Medizinische Dinge, die entfernt werden dürfen, werden entfernt. Auf Palliativstation werden medizinische Geräte aus dem Zimmer geräumt. Die Palli ist auch die einzige Station, auf der eine richtige Kerze angezündet werden darf, wenn jemand im Raum ist. Das Zimmer wird dann für die Verabschiedung liebevoll dekoriert.

Leider waren alle Zimmer belegt, sodass ich keine Möglichkeit hatte, hier ein Zimmer zu zeigen.

Wenn der Patient im Vorfeld bestimmte Kleidung ausgesucht hat, dann wird diese angezogen.

Verstirbt ein Patient, dann ruft meistens die Schwester bei den Angehörigen an, da meist ja doch ein Vertrauensverhältnis aufgebaut wurde.

Das letzte Bild des Patienten soll für die Angehörigen würdevoll sein, das ist allen sehr wichtig.


Aber die Hinterbliebenen müssen auch aufgefangen werden. Wer seinen Liebsten selbst versorgen möchte, der hat die Möglichkeit dazu. Ihnen wird aber auch von den Schwestern und Pflegern ein verbaler Leitfaden mit auf den Weg gegeben. Was ist nach dem Versterben alles zu erledigen, was muss geklärt werden? Dazu gibt es auch ein Informationsblatt für Verbliebene.

Generell müssen die Angehörigen auf die Zeit, die nun kommt vorbereitet werden, das ist sehr wichtig! Wenn das Team der Palli da an seine Grenzen stößt, dann kann für den Moment auch der Psychoonkologe Herr Hentschel zum Auffangen kontaktiert werden. Er kann die Hinterbliebenen nicht nach dem Krankenhaus betreuen aber zumindest in dem Moment da sein. Auch sollte man immer nachfragen bzw. die Möglichkeit geben, dass sich Kinder verabschieden können. Erstaunlicherweise verkraften sie das deutlich besser, als so manch Erwachsener.

Charly, das Stationsmaskottchen. Vor allem für Kinder, die zu Besuch anwesend sind sehr wichtig.

Wichtig zu beachten sind auch die verschiedenen Religionen. Frau Wunderwald, die ökom. Pfarrerin kann beispielsweise das „Vater unser“ sprechen oder wenn gewünscht Aussegnen. Andere Kulturen haben ganz andere Wünsche/ Bräuche. Hier kann man einfach drauf ein gehen und man sollte jeden Wunsch respektieren.

Ist ein Patient verstorben, dann wird an die Tür ein Engel gemacht, damit jeder weiß, dass man das Zimmer nicht betreten soll.

Der Engel für die Tür, dahinter das Licht, welches bei Versterben angemacht wird und die Rosenköpfe im Hintergrund.

Auch bekommt jeder Patient eine Rose auf das Bett gelegt. Wird der Patient abgeholt, dann nimmt die Schwester/ der Pfleger diese Rose und schneidet den Kopf ab. Dieser wird dann in ein Glas an der Eingangstür gelegt, zusätzlich wird ein Licht angemacht als Zeichen, dass jemand verstorben ist und, um ihn zu würdigen. Die Rosenköpfe werden dann getrocknet und zum Jahresgedenken, welches einmal im Jahr stattfindet mitgenommen.

Dazu werden alle Angehörigen eingeladen, die Namen der Verstorbenen werden einzeln vorgetragen und es wird Musik gespielt. Die symbolischen Rosenköpfe werden am Seelsorgezetrum unter den Rosenstrauch gegeben.

Hier gibt es dann Kaffee und Kuchen als kleinen Imbiss, die Angehörigen können sich nochmal mit dem Personal austauschen und alle haben einen Abschluss.

Was muss ein Arzt nach dem Versterben machen?

Die Leichenschau nach 2 Stunden ist verpflichtend. Auf der Palli ist die Zeit manchmal etwas individueller. Der Totenschein muss ausgefüllt werden und ggf. muss er die Angehörigen informieren.

– Wie ist der Betreuungsschlüssel?

In der Regel sind im Frühdienst 4 Pflegepersonen da, im Spätdienst 2 bis 3 und im Nachtdienst eine. Früh betreut eine Schwester 2 bis selten mal 3 Patienten, im Spätdienst 3 bis 4 Patienten und im Nachtdienst dann alle 10 Patienten.

– Was ist der Unterschied zwischen Palli und Normalstation? Welches Mehrangebot gibt es hier?

Die Beantwortung der Frage kommt der Antwort aus der Frage, welche Freiräume es gibt fast 1 zu 1 gleich. Daher verweise ich gern auf diese Frage/ Antwort.


Ich hoffe, dass ich gut vermitteln konnte, wie die Arbeit so auf Palliativstation ist. Keine Frage, die Arbeit ist anstrengend, vor allem auch mental. Toll finde ich, dass das Team füreinander einsteht. Geht es einem mal nicht gut, nimmt einen ein Schicksal zu sehr mit, dann ist das Team füreinander da. Auch muss nicht einer das Schicksal von einem Patienten, der schon lange da ist mit sich ausmachen. Es wird dann drauf geachtet, dass die Aufteilung der Patienten auch mal variiert.

In regelmäßigen Abständen finden Supervisionen statt. Hier ist ein geschützter Rahmen und Raum, um über belastende Situationen zu sprechen. Dinge nochmal zu reflektieren usw.


Auch ich habe mit dem Thema sterben im Krankenhaus viele Erfahrungen gemacht. Um ehrlich zu sein erinnert man sich an die meisten Patienten nicht. Manche Geschichten berühren ein sehr, nehmen einen mit aber man muss für sich einen Weg finden, damit gut umzugehen.

Ich erinnere mich an eine Angehörige eines Arztes. Ich habe sie fast eine Woche am Stück betreut, man wusste, was sie mochte, was nicht und man wusste genau, wann sie einfach auch ihre Ruhe haben möchte. Der Arzt merkte, dass ich mich wirklich bemüht habe, sie 1 zu 1 zu betreuen, trotz anderer Patienten. Dank meiner Kollegen war das aber auch möglich, da sie mir den Rücken frei hielten. Eines Tages war dann der Tag gekommen, es war Zeit, Abschied zu nehmen. Für mich aber auch für die Angehörigen war das über den ganzen Zeitraum ersichtlich und so hatte jeder die Chance und die Zeit, sich im Vorfeld zu verabschieden. Als es in meinem Spätdienst dann soweit war, saßen ich und der Arzt am Bett. Ich gab ihm mehrfach das Zeichen, dass ich auch gehen könnte. Aber er gab mir zu verstehen, dass es gut ist, wenn ich dabei bin. Und so haben wir es uns und ihr so gemütlich wie möglich gemacht. Ich hatte LED Kerzen aufgestellt, draußen war allmählich die Dämmerung eingetreten und eine Aromalampe mit dem Lieblingsduft der Patientin hatte ich aufgestellt. Und so saßen wir am Bett, einer rechts, einer links, händchenhaltend mit der Patientin. Er erzählte mir von ihrem Leben… es war der einzige Moment, in dem ich viel über die Patientin erfuhr. Und man merkte, dass ihr der Rückblick scheinbar auch gefiel. Sie wirkte entspannt und zufrieden. Neben häufigeren Mundpflegen, Hand auf den Brustkorb legen, damit die letzten Atemzüge nicht so schwer sind und Hand halten, hielten wir oft auch inne. Die Atemaussetzer waren immer länger… oft dachten wir, sie hat es geschafft, doch dann kam immer noch ein Atemzug. Wir wussten, dass sie nicht leidet, sie bekam ärztlich angeordnet Morphin über den Perfusor. Eine leichte Dosis, die aber reichte, um Leiden zu mindern. Irgendwann war dann der letzte Atemzug, gefühlt vergingen Minuten, bis wir was sagten, da wir nicht wussten, ob nun noch ein Atemzug kam. In Wirklichkeit war es aber nicht so lang. Sie sah friedlich aus, ihr Angehöriger wirkte erleichtert und bedankte sich. Ich saß noch 5 Minuten da, bevor ich beide verließ. Später kamen noch die Angehörigen, um sich zu verabschieden. Natürlich war das möglich.

Und nun kommt der Part, indem eine Pflegekraft noch einiges zu tun hat. Ich bereite dem Arzt, der zur Leichenschau kommt immer schon den Totenschein vor. Rein schreiben darf ich nichts aber ich lege immer gern alles mit dem Briefumschlag zurecht. Den Fußzettel bereite ich vor.

Totenschein und Fußzettel


Bevor die Angehörigen kommen, bereite ich den Patienten vor. Richtig lagern ist hier sehr wichtig, denn irgendwann setzt die Totenstarre ein. Ich lege die Patienten also auf den Rücken, meist mit den Händen zusammen auf dem Bauch, so, dass sie eine Blume halten können. Im Frost hatten wir auf der Onkologie immer Rosen. Diese gab es dann für die Patienten. Ich kleide sie auch nochmal neu ein und wasche ein wenig. Manchmal fließen nach dem Versterben Exkremente in die Windelhose oder auf die Unterlage. Das mache ich natürlich frisch. Die Bettdecke geht soweit, dass die Hände raus schauen. Die Augen schließe ich, wenn sie offen sind und den Mund versuche ich ebenfalls zu schließen. Aber nicht wie man es aus einem schlechten Film kennt mit hoch binden. Ich rolle ein Handtuch und lege es unter das Kinn, meist ist die Totenstarre beginnend eingesetzt und ich kann das Handtuch entfernen, bevor die Angehörigen kommen. Manchmal muss man auch gar kein Handtuch nutzen, dann ist der Mund von allein zu. Die LED Kerze verbleibt auch beim Patienten, bis er abgeholt wird. Nachdem dann alle zum verabschieden da waren, decke ich den Patienten komplett zu.


Übrigens kam von dem Arzt Wochen später eine Danke Karte mit einem kleinen Geschenk. Ich habe mich wirklich sehr gefreut und habe die Karte und das Geschenk bis heute noch zu Hause.


Ich erinnere mich auch noch gut an eine Patientin, die noch jung war. Krebs und wir wollten am gleichen Tag noch mit Chemotherapie beginnen. Auch hier hatte ich Spätdienst und übernahm die Patientin. Binnen weniger Stunden wussten wir alle, dass es die Dame nicht schaffen würde. Sie wollte aber die Chemo noch haben, also starteten wir. Ihr Zustand verschlechtere sich rasch. Sie sprach plötzlich nicht mehr, sie hatte eine brodelige Atmung. Nicht untypisch, das habe ich schon oft beobachtet. Ich holte also wieder die Kerze und setzte mich zu ihr. Es war kein Angehöriger da, ich kannte die Patientin nur wenige Stunden und wusste nicht wirklich, was ihr gut tun könnte. Also saß ich an ihrem Bett, wieder händchenhaltend und hielt kurz inne. Ich versuchte herauszufinden, was ihr denn gut tun könnte. Ihr Gesicht war schmerzverzehrt, ich wusste anhand der Diagnosen, dass sie oft Rückenschmerzen hatte. Also versuchte ich sie besser zu lagern. Ihr Gesicht entspannte sich allmählich. Ich setze mich wieder zu Ihr und beobachtete und versuchte auf sie einzugehen. Die Ärzte hatten derweil die Angehörigen informiert… sie wollten nicht kommen. Es steht mir nicht zu, darüber zu urteilen aber ich fand es anfangs schade, dass sie nicht kamen. Im nachhinein war mir klar, dass es so das Beste war. Es gab einen Moment, der mir zeigte warum. Ich musste kurz aufs WC, ich sagte ihr das und sagte ihr auch, dass ich wieder komme. In den paar Minuten hatte sich ihr Herzschlag so verlangsamt, dass sie fast allein gestorben wäre. Vielleicht wollte sie es so. Ich setzte mich die letzten Sekunden noch ruhig an Ihr Bett. Sie wirkte entspannt. Ob ich es in der Situation gewesen wäre, ich weiß es nicht. Ich stelle es mir schrecklich vor, früh ins Krankenhaus zu kommen, eine infauste Prognose zu erhalten und kurz darauf zu sterben. Viel Zeit das zu verarbeiten hatten weder sie, noch ihr Mann und ihre Kinder. Dennoch glaube ich, dass ich es ihr so „schön“ wie möglich gemacht habe.

Das war übrigens der Himmel an dem Abend über dem UKD.

Viele haben sicherlich Angst davor, dass die Angehörigen im Krankenhaus sterben. Sicherlich ist das Thema allgemein kein Thema, über das man gern nachdenkt. Manchmal lässt es sich aber nicht vermeiden und der Patient stirbt im Krankenhaus. Ich möchte jedem die Angst davor nehmen und euch mit auf den Weg geben, dass wir stets unser bestes tun, den Patienten so gut wie möglich zu begleiten, wenn das denn erwünscht ist. Aber genauso wichtig ist es uns auch, die Angehörigen mit aufzufangen. Aus dem Grund gibt es am UKD einen Flyer, den wir den Hinterbliebenen mitgeben. Dort gibt es wertvolle Tipps, was nun beachtet und geklärt werden muss.

Nachgefragt im UKD- Ossilinchen trifft die Chirurgische Notaufnahme (CNA)

In der CNA war ich mittlerweile schon oft, dienstlich aber auch privat. In der Woche, die ich da hospitieren durfte habe ich wirklich viel gesehen. Von der Brandverletzung beim Kind, über ein Schädelhirntrauma beim Erwachsenen, ein gebrochenes Bein samt Gipsanlage bis hin zum Polytrauma war alles dabei. Ein sehr spannendes und großes Fachgebiet, welches nicht nur mich interessiert, sondern auch für euch sehr spannend ist. Aus dem Grund werde ich euch heute die Chirurgische Notaufnahme mal vorstellen.


Den letzten Kontakt hatte ich leider privat mit meiner Tochter kurz nach Pfingsten. Nichts, was man sich wünscht. Das Personal war sehr freundlich nur leider konnten sie an der Situation, dass es nur einen für die CNA diensthabenden Kinderchirurgen gibt und dieser auf Station Visite macht nichts ändern. So hieß es warten, warten, warten und ein Kleinkind im Wartezimmer bespaßen.


Da ich mich für den heutigen Termin mit der zuständigen PDL Frau Miersch- Liefke und der Stationsleitung Herr Höhne getroffen habe, konnte ich diese Erfahrung weitergeben. Vielleicht kann man ja künftig an der Situation etwas ändern.
Meine Kritik wurde sehr offen angenommen, das Problem ist kein unbekanntes. Vielleicht findet man dafür ja eine Lösung. Ich würde mich darüber sehr freuen, vielen Eltern wäre damit sicherlich geholfen.


Allerdings wurde mir versichert, dass ein Kind, welches wirklich einen Notfall darstellt auch sofort dran kommt. Was es bedeutet ein Notfall zu sein und wie das ganze eingeschätzt wird, das werde ich euch weiter unten noch erklären.


Das wirklich spannende ist, dass sämtliche chirurgische Notfälle in der CNA behandelt werden. Vom Baby, über das Kleinkind bis hin zum Erwachsenen. Aus dem Grund besteht das Team aus Gesundheits- & KrankenpflegerInnen und Gesundheits- & KinderkrankenpflegerInnen.

Die CNA findest du im Haus 32, EG (0351/458 2425). Durch den damaligen Neubau des Gebäudes und den Umzug am 04.Juni.2019 vom Haus 59 in die 32 ist die CNA deutlich größer geworden. Was besser und praktischer geworden ist, auch dazu komme ich später noch.

Haus 32 befindet sich im blauen Teil A.

Wie immer hattet ihr die Möglichkeit Fragen zu stellen, welche ich dann mit ins Gespräch genommen habe.

– Wie groß ist das Team?

Insgesamt 40 Leute arbeiten hier. Ärztliche Kolleginnen und Kollegen sind nicht mit eingerechnet. Insgesamt 4 MFA´s arbeiten hier und 36 Krankenschwestern/ Pfleger sowie Kinderkrankenschwestern/ Pfleger.

– Was passiert alles im Schockraum? Welche Patienten kommen da rein?

Seit Umzug ins Haus 32 ist der Schockraum wirklich den Patienten mit Polytrauma vorbehalten. Prinzipiell kann man sagen, dass hier die Erstversorgung stattfindet.

– Was ist ein Polytrauma? Wie schätzt man es ein?

Ein Patient mit Polytrauma hat in der Regel mehr als 2 Verletzungen, wovon eine Lebensbedrohlich ist oder werden kann. Wird ein Patient vom Rettungsdienst via Telefon als Polytrauma angekündigt, dann muss die Pflegekraft einschätzen, ob es ein Vollalarm oder ein Teilalarm Polytrauma ist. Es gibt hier Vordrucke mit Fragen, die immer gestellt werden, um dies einschätzen zu können.

Bei einem Vollalarm Polytrauma ist das komplette Aufgebot an Ärzten da. Heißt: alle aus der Fachabteilung OUC (Unfall- und Wiederherstellungschirurgie) inklusive Oberarzt sind da. Die Anästhesie ist mit einem Arzt und jemandem aus der Pflege vertreten, 2 Pflegekräfte aus der CNA sind vor Ort, die VTG (Viszeral- Thorax- & Gefäßchirurgie) ist am Bett. Ebenfalls die NCH (Neurochirurgen) sind vor Ort. Die Radiologie wird hinzugezogen, der ITS Arzt der den Patienten dann übernimmt ist dabei und der Blutbote, der sämtliche Blutprodukte in die CNA transportiert, ist da. Wenn es sich um ein Kind handelt, dann ist auch noch ein Kinderchirurg am Bett.

Ein Beispiel hierfür ist ein Patient, der einen Verkehrsunfall mit Frontalaufprall hatte und nun eine Beckenfraktur oder Verletzung am Becken hat und beispielsweise einen sehr, sehr niedrigen Blutdruck hat.

Ein anderes Beispiel wäre eine Amputationsverletzung und eine Bewusstseinsstörung. Bestimmt wird das mit dem GSC (Glasgow Coma Score). Alles unter einer Zahl von 9 ist eine mittelschwere oder schwere Bewusstseinsstörung bis hin zum Koma. Heißt: Intubationsbereitschaft!

Auch eine Schussverletzung der Rumpf- Hals Region und eine Atemstörung/ Intubationspflicht ist ein Vollalarm Polytrauma.

Bei einem Teilalarm Polytrauma ist die Anästhesie informiert aber nicht vor Ort. Auch die Neurochirurgie ist nicht dabei.

Ein Beispiel wäre hier ein Patient, der mit höherer Geschwindigkeit auf dem Fahrrad mit einem Fußgänger kollidiert ist (oder einem anderen Radfahrer) und „nur“ auf die Schulter gefallen ist, wach ansprechbar und orientiert ist.

Oder ein Patient mit einer Verbrennung unter 20% der Körperoberfläche, der aber weder kreislaufinstabil ist, noch eine Atemstörung hat.

– Wie sieht es im Schockraum aus und was sind dabei die wichtigsten Utensilien?

Es ist schwer zu sagen, was nun genau wichtig ist und was nicht. Alles ist wichtig und es macht das Zusammenspiel von vielen Kleinigkeiten. So ist bei einem beatmeten Polytrauma die Beatmung natürlich essentiell wichtig. Es gibt aber auch Patienten, die keine Beatmung brauchen. Generell ist Monitoring bei allen Patienten Pflicht! Auch die Schere, um den Patienten auskleiden zu können, bzw. um die Sachen aufzuschneiden ist immer wichtig.

Kommt ein Patient, welcher als Polytrauma angekündigt wurde in die CNA, dann wird der Patient in den Schockraum gebracht, alle Abteilungen sind vor Ort. Hier findet zuerst die Übergabe vom Notarzt oder Rettungsdienst an alle statt. Danach wird der Patient ausgekleidet, er muss ja beurteilt werden, der Grad der Verletzung muss eingeschätzt werden und auch medizinische Maßnahmen müssen begonnen werden. Danach oder noch vor dem Entkleiden findet die Umlagerung auf die Trage der CNA statt und nun hat jeder seine Aufgabe. Der Neurochirurg beurteilt die Pupillen, der Unfallchirurg schaut, ob es irgendwo Frakturen (Brüche) gibt, einer muss alles dokumentieren, die Pflegekräfte der CNA sind immer zu zweit. Der eine kümmert sich um beispielsweise eine Flexülenanlage/ Blutabnahme, der andere assistiert einem Arzt. Die Anästhesie kümmert sich um einen sicheren Atemweg.

Material für eine Blutabnahme. Nicht dabei ist der Spritzenabwurf, der natürlich wichtig ist!

– Wie lange dauert die Versorgung eines Polytraumas in der Rettungsstelle?

In der Regel 10 Minuten, danach befindet sich der Patient im CT. Studien haben ergeben, dass das Outcome eines Patienten (wie er quasi aus all dem wieder raus kommt, wenn der Krankenhausaufenthalt überstanden ist) mit der schnellen Versorgung am besten ist. Die Kolleginnen und Kollegen haben es dank einer LED Uhr an der Decke leicht, um nachzuschauen, wann die Zeit erreicht ist. Kommt ein Polytrauma, betritt man den Raum, dann drückt einer einen Button und die Zeit läuft. Auch wichtig ist diese Anzeige im Falle einer Reanimation.

Ein Ganzkörper CT findet immer statt, ein CT von Kopf bis unter das Becken, um genau zu sein. Nach ca. 30 Minuten nach Ankommen des Patienten in der CNA ist er entweder im OP oder auf ITS.

– Wie sieht das Set zum intraossären Zugang (Zugang im Knochen) aus? Wann wird er genutzt und wo wird gebohrt?

Set für einen intraossären Zugang.

Es ist selten, dass ein intraossärer Zugang in der CNA bzw. in der Klinik gelegt wird. Im Krankenhaus haben wir viel zu viele Möglichkeiten, um Zugänge beim Patienten zu legen. Nichtsdestotrotz ist das Set eine Pflicht, ebenfalls die Schulung des Personals. Ich selber hatte es bisher nur 1x in der Praxis erlebt, dass der Zugang gelegt wird. Die Art und Weise des Zugangs ist eher etwas für den Rettungsdienst, der keine Möglichkeiten hat, eine Flexüle beim Patienten zu legen, weil die Venenverhältnisse schlecht sind. Daher wird dann auf diese Art und Weise des Zugangs zurück gegriffen.

Ein intraossärer Zugang sollte maximal 24 h liegen, besser jedoch so schnell wie möglich entfernt werden und gegen einen unter optimierten Bedingungen gelegten Zugang ausgetauscht werden.

Gebohrt wird unter anderem in der Innenseite der Tibia (Schienbein), der Außenseite des Oberarms und ganz selten auch im Sternum (Brustbein). Letzteres ist eher nicht zu empfehlen, falls man in ein Ereignis der Reanimation fällt.

– Wie oft kommt der Hubschrauber am Tag und wie sieht der Landeplatz aus?

Nicht alle Hubschrauber, die am Tag kommen, sind auch für die CNA bestimmt. Auch Verlegungen aus einem anderen Krankenhaus werden manchmal mit dem Hubschrauber gemacht oder Patienten für das Herzzentrum kommen manchmal ebenfalls mit dem Hubschrauber.

Man kann aber sagen, dass ca. 800 Hubschrauber im Jahr kommen.

– Was muss für einen Massenanfall/ viele Verletzte zeitgleich vorbereitet werden? Wie lange dauert die Vorbereitung?

Ein sogenannter MANV- Massenanfall von Verletzten, ist eher selten. Von einem MANV spricht man, wenn mindestens 5 Patienten (oder mehr) von ein und dem selben Unfall betroffen sind. Ein Unfall muss nicht immer ein Unfall im Auto sein. Auch ein Gasaustritt zählt dazu, wenn mehr als 5 Personen betroffen sind.
Der Rettungsdienst kündigt einen solchen MANV mittels FAX an. Auf dem Fax muss die jeweilige Klinik dann vermerken, wie viele Patienten aus welcher Farbkategorie behandelt werden können.

Rot bedeutet die sofortige Behandlung-> Massive Blutungen oder eine Atemwegsverlegung sind hier Gründe.

Gelb bedeutet dringend-> ein Schädelhirntrauma, ein Bauchtrauma oder offene Frakturen sind Gründe für die Einstufung.

Grün bedeutet nicht dringend -> Beispielweise geschlossene Frakturen.

Blau bedeutet hoffnungslos-> Verletzungen/Schäden sind nicht mit dem Leben vereinbar. Hier macht man nichts mehr. // Diese Einstufung gibt es wirklich nur bei extrem limitierten Rettungsressourcen.

Schwarz bedeutet, dass der Patient tot ist.

Die Zeit der Vorbereitung lässt sich etwas schwer angeben, denn Materialen sind binnen 15 bis 30 Minuten zusammen gesucht. Schwieriger wird es beim Thema Personal. Zuerst wird geschaut, wer alles helfen kann, der im Dienst ist. Je nach Art und Weise des MANV müssen auch Personen aus dem frei gerufen werden. Nicht alle wohnen in Kliniknähe, sodass die Anfahrt etwas länger sein kann und es durchaus bis zu einer Stunde dauern kann, bis alle vor Ort sind.

Im Katastrophenschutzraum gibt es einen Wagen für den MANV. Dort findet man Westen, Einteilungen und Erklärungen und andere wichtige Dinge. Einer muss auch immer eine leitende Position haben, muss alles im Überblick haben und koordinieren. Das ist einmal der Oberarzt der Anästhesie und einmal die Schichtleitung der CNA.

Wenn der Patient kommt wird erstmal nicht unbedingt der übliche Weg des Chipkarte einlesen gegangen. Hier geht es um eine Massenversorgung von vielen Patienten. Da kann die EDV wichtige Zeit stehlen. Das wird dann hinterher gemacht. Um aber dennoch alle Patienten auseinander halten zu können gibt es Armbänder mit Zahlen, die den Patienten eindeutig identifizieren und der Patient bekommt ein Kärtchen um den Hals mit den wichtigsten Daten und der Farbe, in die er eingestuft wurde.

Wenn ein Patient im MANV kommt, dann sichtet der Arzt die Patienten und muss sofort entscheiden, welcher Farbe er angehört.

Bei einem MANV können die Patienten langfristig nicht in der CNA sein, schließlich ist es eine Notaufnahme. Sprich, die diensthabende Pflegedienstleitung muss alle Stationen abtelefonieren und mitteilen, welche Station wie viele Patienten aufnehmen kann. Nicht zwangsläufig muss ein internistischer Patient dann in der Inneren liegen oder ein chirurgischer Patient in der Chirurgie.

Patienten, die zum Beispiel nach einem Strahlenunfall kommen, die haben einen extra Eingang. Davor wird ein Zelt aufgebaut, die Patienten werden abgeduscht und versorgt. Infektiöse Patienten werden in einem separaten Raum versorgt.

Über die rechte Tür kommt der Rettungsdienst mit dem Patienten. Vor dem Raum mit der offenen Tür wird dann das Zelt aufgebaut, die Brause zum abduschen hängt dann an dem leeren Haken neben der Tür und danach findet die Versorgung im separaten Raum statt.

 -Was ist neu/ besser zu den alten Räumlichkeiten?

Generell ist alles größer und moderner. Der Schockraum ist größer und kann unterteilt werden in 2 Schockräume. Es gibt nun auch 2 Gipsräume, einen für die Kinder und einen für die Erwachsenen. Auch die Einfahrt für die RTW´s (Rettungsdienste) ist größer. Wo früher nur 2 gerade so hingepasst haben, passen nun 8 hin. Der eigene Aufenthaltsraum, weiter weg vom Geschehen sorgt dafür, dass man in seinen 30 Minuten Pause auch wirklich mal entspannen kann.


Früher war die CNA auch recht offen. Über das Haus 59 ist man ohne Probleme rein gekommen. Das ist nun nicht mehr gegeben, ohne Transponder kommt man nicht mehr in die CNA, ein bedeutender Faktor in der Sicherheit. Auch aus dem Grund sitzt nun der Wachschutz mit an der CNA.
Ebenfalls neu ist die Rohrpost, mit der Laborproben direkt versendet werden können. Ein extra Transport mittels Boten entfällt und somit sind die Ergebnisse auch schneller da, weil die Proben sofort im Labor ankommen.
Ebenfalls das Zimmer für infektiöse Patienten ist ein großer Vorteil.

Auch gibt es nun mehr Arbeitsfläche für das Personal und mehr PC´s zur Dokumentation.

Durch die Größe kann man mehr Patienten adäquater behandeln und betreuen. Die alte CNA hatte eine Auslastung für 18.000 Patienten jährlich, bei aktuellen Zahlen, die ich euch unten verrate.

– Kommt man als Azubi in die CNA?

Ja, allerdings ist das ein Wunscheinsatz, den man der Schule mitteilen muss.

– Gibt es freie Stellen in der CNA?

JA!!!

Zum nächstmöglichen Zeitpunkt werden

Pflegekräfte für die Chirurgie

in Vollzeit- oder Teilzeitbeschäftigung gesucht. 

Darauf kommt es an:

  • erfolgreicher Berufsabschluss als Gesundheits- und KrankenpflegerIN
  • Fähigkeit zur Selbstreflektion und ein hohes Maß an Verantwortungsbereitschaft
  • Einsatzbereitschaft, angemessenes Kommunikationsverhalten, soziale Kompetenz
  • Du hast eine optimistische Grundeinstellung und eigene Ziele, achtest auf dich selbst und bist physisch und psychisch sehr belastbar.

Herr Höhne hat auch nochmal Rücksprache mit seinem Team gehalten, da es mir besonders wichtig ist, die Stimmung im Team einzufangen und hier ehrlich zu berichten!
Das Team ist breit gemischt, die meisten sind zwischen 25 und 40 Jahren. Viele Menschen haben auch viele Meinungen, das ist klar aber ist eine Notfallsituation da oder braucht ein Kollege/ eine Kollegin Hilfe, dann hilft auch wirklich jeder. Allgemein ist der Support im Team sehr hoch. Auch Diensttausche sind in Absprache kein Problem.

Die enge Zusammenarbeit zwischen Pflege und Ärzten zeichnet die Arbeit ebenfalls aus. Es ist ein arbeiten auf Augenhöhe und das kann ich auch bestätigen.

Zu Dienstbeginn werden die Kolleginnen und Kollegen eingeteilt. Hat man mal wirklich keinen so guten Tag, möchte mal lieber im Hintergrund sein, dann kann man sich auch am Tresen einteilen lassen. Der kümmert sich dann um das Einlesen der Patienten.

Wer Gesundheits- & KrankenpflegerIn ist und großes Interesse an der Versorgung von Kindern hat, der kann nach Einarbeitung und nach Rücksprache auch bei den Kindern arbeiten.

Jeder, der neu kommt hat eine 2 monatige Einarbeitung mit Mentor. Derjenige läuft in der Planung zusätzlich und hat so wirklich eine Chance auf Einarbeitung.

Darauf kannst du dich verlassen:

  • Bei uns erwartet dich ein interdisziplinäres Team in einem hochspezialisierten Arbeitsumfeld, in dem Du bei einer vielseitigen und verantwortungsvollen Tätigkeit deine Ideen und dein Engagement einbringen kannst.
  • Du kannst das Carus Vital, das hauseigene „Fitnessstudio“ nutzen und bei Fragen zur Kinderbetreuung durch Partnerschaften mit Einrichtungen in direkter Nähe ist das Familienbüro für dich da.
  • Die Teilnahme an berufsorientierten Aus-, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten in der Carus Akademie oder mit externen Anbietern werden vom UKD unterstützt.
  • Nutzung des Jobtickets für die Öffentlichen Verkehrsmittel in Dresden und Umland nach der Probezeit ist ebenfalls möglich.

Gern darfst du erwähnen, dass du über mich, Sarah Küttner/ Ossilinchen aufmerksam geworden bist.

Ich habe selbst fast 3 Jahre in einer Notaufnahme gearbeitet (Innere/Neurologische Notaufnahme) und weiß daher genau, auf was es ankommt. Jeder Tag ist anders, jeder Patient hat ein anderes Problem. Der Ablauf ist zwar irgendwann (bis auf bei den Notfällen) gleich aber dennoch wird es nie langweilig. Man lernt sehr viel, muss aber auch bereit sein, viel lernen zu wollen. Gerade im Dienst weiß man nie, was einen erwartet. Da kann einmal der Rettungsdienst kommen, es können die Patienten kommen, die sich selbst vorstellen oder auch innerbetriebliche Notfälle, wenn sie nicht über das REA Team auf Intensivstation gehen. Es ist also sehr spannend aber kann auch stressig sein. Die Teamarbeit ist hier das A und O. Ich sag mir immer, dass ein Dienst noch so stressig sein kann, mit einem coolen Team an der Seite macht auch das Spaß.

– Wie wird eine Messerstichverletzung versorgt?

Es ist zuerst natürlich wichtig zu wissen, wo die Verletzung ist, wie schwer sie ist und ob das Messer noch drin steckt.

Ist kein Messer mehr in der Wunde, dann muss erstmal der Stichkanal beurteilt werden. Das macht die VTG. Falls eine starke Blutung vorhanden ist, dann wird erstmal ein Kompressionsverband angelegt.

Ist das Messer noch drin, dann wird geschaut, ob man es raus ziehen kann oder ob man erstmal eine Bildgebung (CT) braucht und danach im OP schaut, wie man es entfernt.

Wichtig zu wissen ist, dass beide Varianten in den OP müssen. Selbst wenn das Messer nicht mehr drin ist, der Stichkanal muss gesäubert werden und die Wunde ggf. genäht werden.

– Kannst du bitte einen Behandlungsraum zeigen!

Das ist ein Beispiel für einen Behandlungsraum für einen Erwachsenen.
Das ist der Gipsraum für die Kinder.
Ein Teil vom Eingangsbereich, wenn man mit dem RTW kommt. Gerade zu ist das CT und das Röntgen ist ebenfalls in der Nähe.

– Wie viele Patienten kamen letztes Jahr in die Notaufnahme?

Das waren 36.000 Patienten. Die CNA ist aber durchaus für mehr Patienten ausgelegt.


Auf ein wichtiges Thema möchte ich noch eingehen: Warum muss man so lange warten und warum kommt der Nachbar schneller dran, als man selbst, obwohl man eher da war.

Vielleicht hat ja der ein oder andere schon mal etwas von einem Triage System gehört. Dieses System erleichtert es einem einzuschätzen, ob der Patient ein wirklicher Notfall ist und sofort dran kommt oder ob er bis zu 120 Minuten im Wartezimmer warten kann bis der Erstkontakt mir einem Arzt stattfindet.


Auch dieses System arbeitet mit Farben.
Rot bedeutet ein sofortiger Arztkontakt.
Orange bedeutet der erste Arztkontakt sollte spätestens in 10 Minuten stattfinden.
Gelb bedeutet 30 Minuten bis zum ersten Arztkontakt.
Grün bedeutet 90 Minuten bis zum ersten Arztkontakt.
Blau bedeutet 120 Minuten bis zum ersten Arztkontakt.

Dieses Triage System füllt die Schwester oder der Pfleger auch nicht nach Lust und Laune aus oder wie ihm die Nase eines Patienten gefällt. Dieses System gibt klar Beschwerden und Symptome an, die der Patient angibt und danach wird quasi durchgeklickt.

Im Wartebereich der CNA gibt es einen Bildschirm, der einem einen Einblick gibt, wie viele Patienten aktuell da sind, wann ein RTW kommt und ob gerade Schwerstverletzte behandelt werden.

Ihr könnt euch sicher sein, keiner wird mit Absicht lange sitzen gelassen. Und ich weiß sowohl auch personeller Sicht, wie die Arbeit in einer Notaufnahme ist aber auch wie es ist, als Patient da zu sein und dass die Zeit manchmal echt nicht schnell vergeht und man ja auch aus bestimmten Gründen da ist. Dennoch kann leider nicht mehr als gearbeitet werden und ich hoffe, dass der ein oder andere nun etwas mehr Verständnis hat.
Ich persönlich hoffe natürlich, dass das Thema Kinderchirurg in der CNA nochmal evaluiert wird.

Nachgefragt im UKD- Die Patientenverfügung

Leider kann es jedem von uns passieren… ein Unfall, eine plötzliche Erkrankung oder andere unvorhersehbare Dinge, warum wir unseren eigenen Willen nicht mehr erklären können. Ich finde es wichtig, sich mit dem Thema Patientenverfügung zu befassen. Es ist ein sehr umfangreiches Thema, zu dem doch auch einige Mythen kursieren. Aus dem Grund möchte ich dir heute einen Überblick zu diesem Thema geben. Was bedeutet eigentlich „Patientenverfügung“, was ist wichtig in der Formulierung und wer muss sich dran halten?

Um fachlich korrekten Rat zu erhalten, habe ich mich mit PD Dr. med. Kristian Barlinn getroffen. Er ist leitender Oberarzt auf der Neurologischen Intensivstation am Uniklinkum Dresden und aufgrund der neurologischen Krankheitsbilder oft mit dem Thema konfrontiert.

Auf Intensivstation kommen Menschen, die plötzlich aus ihrem Leben gerissen wurden. Das Thema Patientenverfügung ist vor allem hier enorm wichtig. Man muss den Patienten kennenlernen, die Krankheit evaluieren, ebenfalls aber eine vorhandene Patientenverfügung genaustens durchlesen und muss dann wissen, was der Wille des Patienten ist. Warum das gar nicht mal immer so leicht ist, das werde ich euch dann weiter unten im Blogpost erzählen.


Mit einer schriftlichen Patientenverfügung können Patientinnen und Patienten vorsorglich festlegen, dass bestimmte medizinische Maßnahmen durchzuführen oder zu unterlassen sind, falls sie nicht mehr selbst entscheiden können. Damit wird sichergestellt, dass der Patientenwille umgesetzt wird, auch wenn er in der aktuellen Situation nicht mehr geäußert werden kann.

Jede und jeder einwilligungsfähige Volljährige kann eine Patientenverfügung verfassen, die sie oder er jederzeit formlos widerrufen kann. Es ist sinnvoll, sich von einer Ärztin, einem Arzt oder einer anderen fachkundigen Personen beraten zu lassen. Treffen die Festlegungen in einer Patientenverfügung auf die aktuelle Lebens- und Behandlungssituation der Patientin oder des Patienten zu, sind sowohl die Ärztin oder der Arzt als auch die Vertreterin oder der Vertreter (Betreuer/in oder Bevollmächtigte/r) daran gebunden.

Bundesministerium für Gesundheit

Meist assozieren die Menschen eine vorhandene Patientenverfügung damit, dass der Patient ja sowieso „alles“ ablehnt! Dass dem aber nicht so ist, das zeigt das Zitat vom Bundesministerium. Auch Dr. Barlinn gibt seinen Kolleginnen und Kollegen mit auf den Weg, dass es besonders wichtig ist, eine vorhandene Patientenverfügung genauestens zu lesen und zu evaluieren, ob der Patient sich in der Situation befindet, die in der Verfügung beschrieben ist.
Schließlich regelt eine Patientenverfügung eine Einwilligung oder Ablehnung medizinischer Maßnahmen und Handlungen. Daher ist es für den behandelten Arzt besonders wichtig, die aktuelle Situation zu erkennen und zu verstehen und anhand der Patientenverfügung zu erörtern, wie es weiter geht. Gerade auf Intensivstation ist es wichtig, denn oftmals kommen die Patienten von außerhalb, der Notarzt hat intubiert und die Angehörigen stehen dann vor der Tür und sagen „Nein, das hat er/sie so nicht gewollt“. Später zeige ich euch anhand von ein paar Fallbeispielen mal, warum die Dinge nicht immer so klar sind.


Beim Bundesminesterium für Justiz und Verbraucherschutz habe ich mich kundig gemacht, auf was es inhaltlich alles ankommt. Ergänzend dazu bekam ich Informationen von Dr. Barlinn.
Der Gesetzgeber gibt vor, dass eine Patientenverfügung oder eine Betreuungsverfügung schriftlich verfasst und eigenhändig unterzeichnet werden muss. Dabei ist es egal, ob man das ganze handschriftlich formuliert, am PC schreibt, einen Mustervordruck nutzt oder zum Notar geht. Wichtig ist die Formulierung und der Inhalt!
Inhaltlich müssen folgende Punkte vorkommen:

Eingangsformel*

Hier sollte unbedingt der Name, der Vorname, die Anschrift sowie das Geburtsdatum stehen.
Zum Beispiel: „Ich, … …, geboren am … in … bestimme hiermit für den Fall, dass ich , meinen Willen nicht mehr frei äußern kann…“


→ Situationen, für die die Patientenverfügung gelten soll*

Beispielhafte Formulierung: “ … wenn ich aufgrund einer Demenz trotz Hilfestellung keine Nahrung und Flüssigkeit mehr aufnehmen kann …“ oder
“ … wenn ich mich aller Wahrscheinlichkeit nach unabwendbar im unmittelbaren Sterbeprozess befinde…“

Ganz wichtig: Alles so genau wie möglich nieder schreiben. Manche Vordrucke, die man ergoogelt, sind leider nur sehr kurz oder schwammig gehalten.

→ Festlegungen zu ärztlichen/pflegerischen Maßnahmen*

Hier sollte man auf das Thema künstliche Ernährung/ Flüssigkeitszufuhr, Wiederbelebung, Schmerzbehandlung und künstliche Beatmung eingehen.

Aber auch Wünsche zur Sterbebegleitung finden hier Platz. Beispielsweise regelmäßige Mundpflege ist erwünscht.

→ Wünsche zu Ort und Begleitung

Beispielsweise kann man hier auf die Betreuung zu Hause, im Hospiz oder im Krankenhaus Stellung nehmen. Wünscht man Beistand eines Geistlichen oder eines Angehörigen?

→ Aussagen zur Verbindlichkeit

Unbedingt sollte hier erwähnt werden, dass die Ärzte sowie das pflegerische Personal an deine Festlegungen gebunden sind und dass dein Vertreter (Bevollmächtigert/ Betreuer, den du einsetzt), für die Umsetzung deines Willens Sorge tragen soll und wie bei Nichteinhaltung oder nicht übereinstimmenden Meinungen verfahren werden soll!

→ Hinweise auf weitere Vorsorgeverfügungen

Gibt es eine Vorsorgevollmacht oder eine Betreuungsverfügung?

→ Hinweis auf beigefügte Erläuterungen zur Patientenverfügung

Gibt es zur Patientenverfügung weitere wichtige Dokumente/Unterlagen, wie zum Beispiel eine Wertevorstellung?

→ Organspende

Falls ein Organspendeausweis vorhanden ist, dann sollte darauf geachtet werden, dass die Angaben in der Patientenverfügung mit denen auf dem Ausweis übereinstimmen. Sollte eine Organspende abgelehnt werden, dann sollte das unbedingt auch hier mit aufgeführt werden. Möchtest du nur bestimmte Organe spenden? Dann auch das unbedingt hier notieren.
Auch sollte man hier notieren, ob man Organe erhalten möchte, falls man diese braucht.

→ Schlussformel*

Diese bestätigt, dass Du unter den beschriebenen Umständen keine weitere ärztliche Aufklärung wünschst. Diese Aussage ist wichtig, da bestimmte ärztliche Eingriffe nur dann vorgenommen werden dürfen, wenn ein Arzt vorher darüber aufklärt- es sei denn, der Patient verzichtet ausdrücklich darauf.

→ Schlussbemerkungen

Hier versicherst du, dass du die Verfügung ohne äußeren Druck, eigenmächtig und bei klarem Verstand angefertigt hast. Eventuell kann es sinnvoll sein, eine Bestätigung über die Entscheidungsfähigkeit sowie einen Nachweis einer ärztlichen/fachkundigen Beratung und Aufklärung beizufügen.

→ Datum, Unterschrift*

(→ Aktualisierung(en), Datum, Unterschrift

→ Anhang: Wertvorstellungen)

Die eigentlichen Bestandteile einer Patientenverfügung sind mit Sternchen* gekennzeichnet. Aber auch die ergänzenden Aussagen können zum Verständnis des Gewollten beitragen und Anordnungen und Wünsche des Verfassers deutlich machen.

Generell kann man sagen, je genauer die Situationen und Wünsche beschrieben sind, desto besser für den behandelten Arzt. Je unkonkreter die Formulierungen, desto schwieriger ist die Interpretation.

Auch solltest du Sorge dafür tragen, dass man die Patientenverfügung im Falle sie wird benötigt, auch findet. Informiere also deine Familie/Vertrauensperson, wo du sie liegen hast. Auch ist es ratsam, einen Zettel in die Geldbörse zu legen mit dem Hinweis, dass eine Patientenverfügung vorhanden ist.


Natürlich habe ich auch eure Fragen mit ins Gespräch genommen:

– Muss sich ein Arzt an eine nicht notariell beglaubigte Patientenverfügung halten?

Ja, wenn oben genannte Kriterien für eine Patientenverfügung gegeben sind. Und auch hier kann man sagen, je genauer das ganze beschrieben ist, desto einfacher ist es für den Arzt, den Willen des Patienten umzusetzen. Kann der Patient seinen Willen nicht klar äußern und kommen Fragen oder Zweifel auf, dann werden die Angehörigen bzw. der Betreuer kontaktiert und befragt. Dann geht es darum den mutmaßlichen Willen des Patienten rauszufinden. Gab es Äußerungen, die der Patient zu der aktuellen Situation getroffen hat, gibt es religiöse Wünsche, ethische Einstellungen…

– Muss man eine vorhandene Patientenverfügung aufgrund Corona anpassen?

Nein, man solle zwar so genau wie möglich alles beschreiben allerdings kann man nicht jedes einzelne Krankheitsbild auf der Welt auflisten und dann dahinter schreiben, was man wünscht oder eben nicht wünscht.

– Warum wird eine vorhandene Patientenverfügung in der Praxis oft nicht beachtet?

Die Frage so wie sie gestellt ist würde ja bedeuten, dass die Verfügungen in der Praxis nicht wirklich beachtet werden. Das stimmt natürlich nicht! Es ist die Pflicht eines Arztes, den Willen des Patienten zu beachten. Andernfalls wäre es Körperverletzung und man würde sich strafbar machen.

Nehmen wir an, ein Patient kommt auf Intensivstation. Er hatte einen Krampfanfall, ist vom Notarzt intubiert worden, weil seine Atmung nicht suffizient war. Der Patient hatte eine Patientenverfügung, in der klar steht, er möchte nicht auf Intensivstation, wenn er aufgrund eines Hirnschadens , einer irreversiblen Erkrankung oder einer Demenz beatmet werden muss. Nun muss man aber sagen, dass ein Epileptischer Anfall reversibel und behandelbar ist und der Patient keine Schäden von sich trägt. Die Beatmung war zu seinem Schutz und überleben notwendig .
FAZIT: Der behandelnde Arzt hat sich nicht strafbar gemacht oder den Willen des Patienten ignoriert. Dieser hat ja nur für bestimmte Fälle eine Intensivstation/ Beatmung abgelehnt.

Das heißt, der Arzt muss unverzüglich prüfen, ob die WIRKSAMKEITSVORAUSSETZUNG gegeben ist. Das bedeutet, dass geklärt werden muss, ob die Festlegungen in der Verfügung auch auf die aktuelle Situation, in der sich der Patient befindet gültig sind. Daher ist es, wie oben genannt wichtig, so konkret wie möglich alles zu beschreiben.

Die Rechte der Patientinnen und Patienten sind in Deutschland hoch entwickelt und durch die Rechtsprechung umfangreich gesichert. Die Informationslage über die bestehenden Rechte ist und war unterschiedlich ausgeprägt und nicht immer zufriedenstellend. Mit dem  im Februar 2013 in Kraft getretenen „Gesetz zur Verbesserung der Rechte von Patientinnen und Patienten“ (Patientenrechtegesetz) sollen transparente Regelungen geschaffen werden und Patienten wie auch Behandelnden, also auch Ärztinnen und Ärzten, die nötige Rechtssicherheit geben.

Bundesärztekammer

– Wo kann man sich zum Thema beraten lassen? Gibt es Einrichtungen, die beim ausfüllen helfen?

Informationen bekommst du beim Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Dort gibt es eine sehr gute und informative Broschüre. Hier auch gleich mit verlinkt.

Die Informationensquellen sollten fachkundig sein, daher ist es beispielsweise sinnvoll, sich an den Hausarzt zu wenden. Der behandelt einen in der Regel ja schon Jahre, kennt einen und mit ihm gemeinsam kann man eine solche Verfügung aufsetzen. Auch der Notar kann aufgesucht werden.

Was ist wichtig in der Formulierung?

Alle wichtigen Aspekte findest du oben in der Erklärung. Auf jeden Fall solltdst du sehr genau formulieren.

– Darf der Ehemann beispielsweise über seine Ehefrau entscheiden oder bedarf es einer extra Verfügung?

In der Tat ist es so, dass der Ehemann nicht einfach so über seine Frau entscheiden kann, wenn diese es nicht mehr tun kann. Auch hier bedarf es einer Patientenverfügung oder einer Betreuungsverfügung. Gibt es so etwas nicht, dann muss sich der Mann vom Gericht zum gesetzlichen Betreuer ernennen lassen. Dieser Antrag wird aber vom Gericht geprüft. Sinnvoll ist es allgemein gesehen, eine Patientenverfügung zu schreiben, den Ehemann einzutragen und auch eine Vorsorgevollmacht auszufüllen, die klar regelt, wer Entscheidungen treffen kann und auch über medizinische Behandlungen entscheidet. Gibt es weder eine gesetzliche Betreuung, noch die Verfügungen, dann wird der Arzt den Ehepartner natürlich mit einbeziehen bzw. befragen, um den mutmaßlichen Willen des Patienten heraus zu finden. Entscheiden wird der Ehemann aber nicht allein!

– Muss die Patientenverfügung notariell beglaubigt sein?

Nein, wenn oben genannte Kriterien bei der eigenen Patientenverfügung zur Formulierung umgesetzt wurden.

– Um was muss sich alles gekümmert werden?

Vor allem muss die Patientenverfügung genau ausgefüllt sein, alle oben genannten Textbausteine sollten beachtet werden. Auch ist es sinnvoll, eine Person drin stehen zu haben, die für die eigenen Wünsche einsteht, wenn man es selbst nicht kann. Man sollte sich Gedanken über eine Organspende machen und auch darüber, ob man sie selber haben möchte und das notieren. Sinnvoll ist auch ein Gesamtpaket an Verfügungen und Volmachten. Also eine eine Vorsorgevollmacht, eine Betreuungsverfügung und eben die Patientenverfügung.

– Können behinderte Menschen eine Verfügung erstellen?

Ja, solange sie Einwilligungsfähig und Geschäftsfähig sind. Gegebenenfalls kann eine Bescheinigung zur Einwilligungsfähigkeit sinnvoll sein. Andernfalls muss der gesetzliche Betreuer für den mutmaßlichen Willen des Betroffenen einstehen.


Hier ist Dr. Barlinn leitender Oberarzt
Ein Zimmer auf der neurologischen ITS

Liegt keine Patientenverfügung vor oder sind die Festlegungen in einer Patientenverfügung zu unkonkret oder allgemein, entscheiden die Vertreterin oder der Vertreter gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt auf der Grundlage des mutmaßlichen Patientenwillens über die anstehende Behandlung. Können sich – bei besonders folgenschweren Entscheidungen – Vertreterin oder Vertreter und die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt nicht darüber einigen, ob die beabsichtigte Entscheidung auch tatsächlich dem Willen der betroffenen Patientin oder des Patienten entspricht, muss die Vertreterin oder der Vertreter die Genehmigung des Betreuungsgerichts einholen.

Die gesetzliche Grundlage dafür hat der Deutsche Bundestag  am 18. Juni 2009 mit dem Paragraphen 1901a Bürgerlichen Gesetzbuchs beschlossen und damit die Rahmenbedingungen für den Umgang mit einer Patientenverfügung geregelt.

Bundesministerium für Gesundheit

Wichtig zu wissen ist aber, dass die Patientenverfügung jederzeit wiederufbar ist.
Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Patient hat in der Verfügung stehen, dass er bei einem großen Schlganfall keine weiteren Behandlungen haben möchte, keine Intubation/ Intensivstation. Dann kommt genau dieser Patient wegen einem Schlaganfall in die Klinik. Sagen wir, die rechte Hirnhälfte ist stark betroffen. Ohne OP würde der Patient sterben. Die Verfügung sagt aus, dass das der Wunsch des Patienten ist. Da aber die rechte Hirnhälfte betroffen ist, nicht die linke, ist es dem Patienten möglich, sich zu äußern. Der Arzt klärt also auf, was passieren würde, wenn er der OP nicht zustimmt. Da der Patient bei klarem Verstand ist, äußert er den Wunsch der OP, da er an seinem Leben hängt. Hier sticht der geäußerte Wille des Patienten den Willen, der in der Verfügung festgelegt wurde, wenn er einwilligungsfähig ist.


Noch ein Beispiel aus der Praxis um zu verstehen, warum es so wichtig ist, dass sich der Arzt mit dem Thema ganz genau auseinander setzt und jede Verfügung genau liest und prüft.

Ein Patient hat in der Patientenverfügung klar geäußert, dass sein Leben nicht lebensfähig ist, wenn für immer ans Bett gefesselt ist und er den Tod dann lieber in kauf nimmt. Dieser Patient hat sich nun das Bein gebrochen, müsste mit einem Fixateur externa (einem Haltesystem für Knochen, welches durch die Haut geht) für 3 Wochen im Bett liegen. Natürlich behandelt man den Patienten mit OP und allem, was für die adäquate Versorgung dazu gehört. Er wird ja nicht sein ganzes Leben ans Bett gefesselt sein, sondern „nur“ 3 Wochen.


Noch ein schönes Beispiel, warum ein Patient manchmal ein paar Tage auf ITS liegt und es für die Angehörigen so rüber kommt, als würde die Patientenverfügung ignoriert werden.

Oftmals gibt es ja Formulierungen wie „… wenn ich mich aller Wahrscheinlichkeit nach im unmittelbaren Sterbeprozess befinde…“ oder „… wenn ich keine Prognose auf Heilung habe…“

Doch ob der Patient eine gute Prognose auf Heilung hat, das kann nicht immer sofort entschieden werden. Auch der Arzt muss den jeweiligen Patienten mit der Erkrankung kennenlernen. Manchmal merkt man erst über ein paar Tage hinweg, wie sich die Situation entwickelt. Der Patient kann zum Beispiel beatmet auf ITS kommen, hat einen kleinen Schlaganfall mit einer sehr guten Prognose auf ein beschwerdefreies Leben in ein paar Monaten. Keiner würde diesen Menschen sterben lassen!

Bei einem Patienten, der in seiner Patientenverfügung klar stehen hat „… wenn ich keine Prognose auf Heilung habe, dann möchte ich keine künstliche Lebensverlängerung…“ der nun aber mit einem massiv schweren Schlaganfall mit schlechter Prognose auf ITS kommt und seine Wünsche für die aktuelle Situaton klar definiert ist, würde man sich wohl gegen die Maßnahmen entscheiden und ihn sterben lassen, wie es der Wille war.


Für Außenstehende oder auch Pflegekräfte/ Assistenzärzte ist es leicht zu sagen „Na, ob er das wohl gewollt hätte…“ aber nie sollte man vergessen, dass es immer einen gibt, der die finale Entscheidung treffen muss! Aus dem Grund ist es eben so wichtig, die Patientenverfügungen sorgfältig zu prüfen.

Wenn etwas im Uniklinikum Dresden ganz widersprüchlich ist oder man zu keiner Entscheidungsfindung kommt, weil es zu viele Unklarheiten gibt, dann kann man auch immer die Ethikberatung am UKD (Klinische Ethikberatung) zu Rate ziehen. Zu diesem Komitee gehören Ärzte, Pflegende, Seelsorger, Klinische Ethiker und Sozialpädagogen.


Wer mir auf Instagram schon länger folgt der hat gesehen, dass ich mich kurz vor Corona mit dem Thema privat befasst habe. Mein Partner und ich haben uns für den notariellen Weg entschieden. Warum? Zum einen kennt er die wichtigen Formulierungen und schreibt nach unseren Wünschen alles auf. Zum anderen haben wir auch noch andere Dinge geklärt. Wer sich zum Beispiel um mich kümmern soll, wenn es mein Partner nicht tun kann, wer sich um unsere Tochter kümmern soll, wenn wir beide nicht in der Lage sind. Erbschaftsangelegenheiten, Betreuungsverfügungen, Vorsorgevollmachten und Generalvollmachten für Konto, Verträge und Co.

Wir wollten quasi alles in einem Aufwasch machen. Ein weiterer Vorteil ist natürlich auch, dass alles im Zentralen Vorsorgeregister hinterlegt ist. Und anders als man denkt, ist das ganze gar nicht so teuer. Die Beträge dafür staffeln sich nach dem, was man an Besitz und Geld auf der hohen Kante hat. Daher empfiehlt es sich auch das ganze in jungen Jahren zu machen, da man in der Regel da noch kein hohes Vermögen hat. Ich habe für all das oben genannte ca. 180 Euro bezahlt und finde das absolut okay. Eine Klausel, dass ich gewisse Dinge ändern kann, da ich ja noch jung bin und sich im Leben so einiges ändern kann, hat der Notar auf seine Empfehlung mit eingepflegt.


Aus der Praxis kann ich sagen, dass das Thema Patientenverfügung oft ein Thema auf Station ist. Es wird auch darauf geachtet, was da drin steht und was der Wunsch des Patienten ist/war.


Natürlich darfst du den Beitrag gern teilen, schließlich ist es ein wichtiges Thema und es geht uns alle etwas an!

Nachgefragt im UKD- Ossilinchen trifft die KMT (Knochenmark Transplantationsstation)

Heute möchte ich dir Nadine vorstellen. Nadine war mal Patientin bei mir und hat es mit vollem Anlauf in mein Herz geschafft. Mit stolz kann ich sagen, dass sie nun eine sehr, sehr gute Freundin ist. Gemeinsam haben wir in den letzten Jahren schon so einiges durch. Damals auf Station habe ich ihr teilweise sogar die Chemotherapie angehangen.

Doch dass es Nadine heute an meiner Seite gibt, das verdanken wir allen der MK1- S1 (meine ehemalige Station auf der ich fast 5 Jahre gearbeitet habe), der KMT (Knochenmark Transplantationsstation) und dem Spender, der über die DKMS (Deutsche Knochenmarksspenderdatei) gefunden wurde.

Hier habe ich Nadine samt Babygirl in Kreischa bei der Reha besucht.

Doch damit du die ganzen Hintergründe und auch fachlichen Details verstehst, darf ich dir mit Nadines Einverständnis ein Stück ihrer langen Geschichte im UKD erzählen.

 Meine Diagnsoe AML (Akut myeloische Leukämie) habe ich am 29.05.2014 erhalten. Ich bin dann Anfang Juni nach Dresden geflogen worden. Dort war ich zuerst auf der ITS 1. Auf der Station habe ich am 16.06.2014 Michael geheiratet. Dann ging es auf ITS 2. 

Am 23.06.2014 wurde ich auf die MK1-S1 verlegt. Dort haben wir uns dann auch kennen gelernt. Auf der S1 war ich bis kurz vor Weihnachten. Im Frühjahr 2015 hatte ich den 1. Rückfall. Im Juni 2015 fand die erste Tx (Stammzell Transplantation) auf der KMT statt mit einem Familienspender. Dann im Herbst der 2. Rückfall. Im Februar 2016 fand dann die zweite Tx statt, diesmal mit einem Fremdspender. Bei beiden Transplantationen hast du mich besucht und im Skipbo gegen mich verloren. 😉
Die Betreuung auf der S1 und besonders auch auf der KMT war sehr gut. Die Schwestern haben einem in der schwierigen Situation versucht, alle Wünsche zu erfüllen (siehe mein Frühstücksbild mit der Banane) und den Gemälden auf meinem ZVK (Zentraler Venenkatheter). Großes Lob an Herr Röllig, Herr Stölzel und das gesamte Team. 😉

Nadine

Nadine geht es heute glücklicherweise gut. Wir sehen uns in regelmäßigen Abständen, wenn auch nicht all zu oft, denn leider wohnt sie nicht in Dresden. Nadine hat einen harten Weg hinter sich, den sie dank Ihrer Familie und Ihren Freunden mit Bravour gemeistert hat. Doch ohne das Personal auf den jeweiligen Stationen wären die langen Tage auf Station wohl doch ein wenig langweilig, anstrengender und nervenaufreibender gewesen.

Das ganze klingt hier so leicht, ich glaube niemand kann sich ein Bild machen, wie hart der Weg wirklich ist, wenn man dazu keinen Bezug hat. Aus dem Grund möchte ich versuchen, dir das Fachgebiet heute etwas näher zu bringen.

Durch meine Arbeit als hämatologische Schwester weiß ich, wie wichtig und vor allem auch spannend die KMT ist. Da ich aber auch den privaten Bezug zur Station habe ist es mir um so wichtiger, dich heute in ein spannendes Fachgebiet mitzunehmen.


Natürlich habe ich all eure Fragen auch mitgenommen und werde sie euch hier wieder beantworten. Damit ich diese aber auch fachlich korrekt beantworten kann, habe ich mich mit Bianca Böhm, der Stationsleitung der KMT getroffen.


– Warum wird bei fast 70 Jährigen die Spende untersagt trotz eineiiger Zwillingsschwester?

Da es sich um den Zwilling handelt, ist dieser im hohen Alter, also auch 70. Man sagt, je jünger der Spender, desto besser das Transplantat und desto höher die Heilungschance. Wichtig ist eben auch, dass der Spender gesund ist. In diesem Fall wäre wahrscheinlich eine Fremdspender Suche geeigneter. Was das ist, das erkläre ich weiter unten.

70 Jahre zu sein ist kein Ausschlusskriterium für eine Transplantation. Der älteste Patienten im letzten Jahr war 75 Jahre, der jüngste auf der KMT übrigens 11 Jahre.

– Werden hier auf Station auch Kinder Stammzelltransplantiert?

Ja, allerdings erst ab einem Alter von ca. 7 bis 8 Jahren. Die kleineren werden auf KIK ITS transplantiert. Eine Begleitperson ist auch dabei, auch zu Corona Zeiten war das so.

Das ist der Tresen vor den Kinder Zimmern. Wenn keine Kinder auf Station sind, dann liegen hier auch Erwachsene.
Das besondere ist hier, dass die Infusiomaten draußen sind, sodass das Kind daran nicht rum stellen kann. Dementsprechend lange Leitungen gibt es natürlich, damit sich das Kind im Zimmer frei bewegen kann.

– Wie sieht ein Patientenzimmer aus? Wie sieht ein Isolationszimmer aus?

So sieht der Bettplatz aus.
Hier siehst du die komplette Ansicht eines Zimmers. Natürlich gibt es im Zimmer noch ein Bad.
Das ist ein „Schleusenzimmer“ bzw. ein „Isolationszimmer. Innen ist alles identisch zu den „normalen “ Zimmern. Lediglich die kleine Schleuse davor ist der Unterschied. Hier gibt es ein Waschbecken, Wäschesäcke, Desinfektionsmittel, Handschuhe, Masken und Kittel.

Ein Isolationszimmer ist vor allem dann wichtig, wenn der Patient in einer Umkehrisolation ist. Heißt: Man muss den Patienten vor all dem schützen, was außerhalb der Tür an Keimen auf ihn wartet. Wichtig ist dieser Schutz, weil das Immunsystem durch die Therapie quasi auf Null runter gefahren wurde und der Patient sich nicht selbst schützen kann. Das können aber auch Keime sein, die man beispielsweise von draußen mit rein bringen kann. Daher ist der Kittel, die Handschuhe, die Maske und auch die Hygiene so wichtig. Jeder kleinste Keim kann tödlich sein!

– Was ist der Unterschied zwischen einer allogenen und einer autologen Stammzelltransplantation? Wie ist die Verträglichkeit bei beiden Formen?

Das ganze vertiefend zu beantworten wäre etwas zu weit über das Ziel hinaus geschossen, dafür muss man wirklich in der Materie arbeiten. Aber ich werde das ganze mal etwas einfacher und verständlich erklären.

Autologe Transplantation:   Der Patient bekommt seine eigenen Zellen gespendet. Dazu werden vor Beginn der Therapie seine Stammzellen abgesammelt und aufbewahrt. Danach gibt es eine sehr starke Chemotherapie die zur Folge hat, dass das Immunsystem nahezu bei Null ist. Um sich von dieser starken Therapie zu erholen, braucht es teilweise bis zu mehrere Wochen. Die Gefahr, dass der Patient in der Zeit an anderen Dingen wie beispielsweise einem Infekt stirbt ist sehr hoch. Um das Immunsystem zu unterstützen werden die vorher abgesammelten Stammzellen zurück gegeben. Allerdings geht das nicht bei jeder Erkrankung, da man ja die Krebszellen nicht wieder in den Körper zurück bringen will. Manche Krebszellen sitzen , um es einfach zu sagen, mit im „System“ drin.

Allogene Transplantation: Die Stammzellen oder das Knochenmark kommt hier von einem fremden Spender. Man setzt vor allem auf das gesunde Immunsystem des Spenders und auf die wahrscheinlich eintretende Abstoßungsreaktion beim Patienten, wenn er das Transplantat erhalten hat. Diese Mischung soll für die bestmögliche Heilung sorgen. Dafür ist es wichtig, dass es ein möglichst identischer Spender ist, von den Merkmalen in der Genetik ausgegangen. Man muss auch nicht die gleiche Blutgruppe haben, entscheidend sind hier wirklich die genetischen Merkmale. Der Fakt, dass auf das gesunde Immunsystem des Spenders gebaut wird ist auch ein Grund, warum ein jüngerer Spender das beste Transplantat „hergibt“. Dieser Fremdspender wird in der DKMS gesucht. Diese hat auch den weltweiten Zugriff auf alle vorhandenen Spender. Leider kann es dennoch vorkommen, dass weltweit KEIN passender Spender gefunden wird. Desto mehr Menschen also registriert sind, desto höher ist die Chance, dass man seinem genetischen Zwilling helfen kann. Sollte wirklich kein Spender gefunden werden, so wird in der Familie geschaut. Da beginnt man bei den Eltern, geht über zu den Geschwistern und schaut dann bei den Cousinen. Natürlich ist da kein 100%iges Match dabei aber man hofft darauf, dass es genetische Merkmale gibt,  die man nicht messen kann, die aber zu einem Erfolg bei der Tx führen.

So sieht ein Transplantat aus.

Zur Verträglichkeit kann man keine genaue Antwort geben. Das ist natürlich auch abhängig vom Patienten. Ein 100% passender Fremdspender ist natürlich erstmal „besser“ aber die Abstoßungsreaktion (GvHD) ist in der Regel geringer. Diese braucht man aber in einem gewissen Maß bei der Therapie. Es ist also eine schmale Gradwanderung herauszufinden, wer der geeignete Spender ist und auch die GvHD so gering wie möglich zu halten. Darum gibt es einmal in der Woche eine große Besprechung mit Frau Füssel von der DKMS , den Ärzten und der Pflege um den möglichst besten Spender für den Patienten zu finden.

– Wie lange bleibt ein Spender auf Station?

Hier sollte man erst einmal wissen, dass man nicht immer auf Station sein muss, um Stammzellen zu spenden. Spendet man diese über das Knochenmark (Knochenmarksspende), dann ist dies eine OP und man verbleibt ca. 1 bis 2 Tage auf Station und ist danach noch krank geschrieben. Heutzutage ist das die seltenere Variante. Knochenmark braucht in der Regel länger zum anwachsen beim Patienten, als die Stammzellen direkt.

Bei der Stammzellapherese bekommt man über mehrere Tage ein Medikament (Granozyte) ins Bauchfettgewebe gespritzt, welches dafür sorgt, dass die Stammzellen ins periphere Blut wandern. Mittels der Apherese werden diese Stammzellen dann isoliert und raus „gefiltert“. Das geschieht ambulant in ein bis zwei Tagen.

– Wenn man selbst generell von einer Spende ausgeschlossen ist, gibt es andere Möglichkeiten zu helfen?

Vor allem kann man auf das Thema aufmerksam machen und sensibilisieren sich bei der DKMS registrieren zu lassen. Ich bin auch registriert, wurde allerdings noch nie angeschrieben.

Bei Nadines Spendersuche damals habe ich mich auch total hilflos gefühlt, wusste nicht, wie ich helfen kann. Letztendlich gab es eine große Registrierungsaktion, organisiert mit der DKMS. Dort habe ich ehrenamtlich Blut abgenommen. Man kann solche Aktionen zum Beispiel auch mit der DKMS planen und organisieren. Allerdings nur, wenn es da um jemanden aus dem Umfeld geht. Aber Möglichkeiten zum helfen gibt es in der Tat.

Vor allem kann man aber auch Geld spenden. Die Typisierung zahlt keine Krankenkasse. Die DKMS ist eine gemeinnützige Organisation, die sich unter anderem von Spenden finanziert. Mit dem Geld können dann neue potentielle Spender typisiert und registriert werden.    

Aus welchem Grund kommt es überhaupt zur Stammzelltransplantation?

Auch das kann man nicht so pauschal beantworten. Für die Behandlung gibt es Leitlinien. Diese kann man bei der DGHO nachlesen. In diesen Leitlinien ist dann festgelegt, wie behandelt wird. Grob gesagt kann man das am Beispiel Leukämie erklären. Bei der Leukämie gibt es viele Unterformen, die man sehr gut spezifizieren kann. In diesen Formen gibt es dann die Unterteilung 1. hohes Risiko 2. niedriges Risiko und 3. Standard Risiko. Beim hohen Risiko sagt man, dass die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls nach Ende der Therapie hoch ist. Eine Tx wird empfohlen. Beim niedrigen Risiko wird es eher nicht empfohlen und man greift auf die Chemotherapie als einige Therapie zurück.

Um mal einige Krankheitsbilder zu nennen, die häufig transplantiert werden: Leukämie, teilweise Lymphome, Multiple Myelome oder auch Immundefekte. Aber das entscheidet immer der Arzt zusammen mit dem Patienten.

– Kommt man auch als Azubi hier auf diese Station?

Ja. Eher selten aber es gibt zum Beispiel auch Prüfungsschüler. Wer also gern mal hier arbeiten möchte, der sollte diesen Wunsch vielleicht an die Berufsschule geben.


Man muss auf Station keine Angst haben, dass man gänzlich isoliert ist. Es gibt nur ganz wenige Patienten, die ihre Zimmer nicht verlassen dürfen. Alle anderen können zum Beispiel die Terrasse nutzen.

Auch das Angebot der Physiotherapie gibt es immer. Ein Fahrradergometer steht in jedem Zimmer. Ein Laufband, Therabänder, ein Stepper, kleine Hanteln, ein Pezziball und einiges mehr gibt es in der Physio Ecke. Sport bzw. Bewegung ist wichtig. Muskeln bauen sich schnell ab und Bewegung aber auch eine gewisse Fitness sind wichtig für den Genesungsprozess.

Ebenfalls gibt es ein Angebot der Kunst Therpaie. Hier muss nicht nur gemalt werden. Es können auch Basteleien angefertigt werden oder Körbe geflochten werden.


Die Aromatherapie stellt auch ein großes Feld in der Behandlung dar. Natürlich bekommen die Patienten viele, viele Medikamente aber dennoch wird versucht manch kleinen Problemchen mit Aromatherapie entgegen zu wirken. So kann Lavendel beispielsweise bei Einschlafproblemen helfen.


Auf ein wichtiges Thema möchte ich noch hinweisen, die Blutspende. Vor allem auch in den Bereichen Onkologie und Stammzelltransplantation sind Blutkonserven aber auch Blutprodukte wie Thrombozytenkonzentrate sehr wichtig, überlebens notwendig!!! Warum das so ist, das erklärt dir Bianca Böhm.

Die Blutbildende Funktion vom Knochenmark ist durch die Therapie stark eingeschränkt bis nicht vorhanden. Die eigene Bildung von Blutbestandteilen ist somit nicht möglich. Das dauert nach der Therapie auch noch eine Weile, bis die Produktion wieder in Gange kommt. So kann es sein, dass mehrere Wochen mit Spenderblut überbrückt werden müssen.

Bei fehlendem Hämoglobin, dem roten Blutfarbstoff verspürt der Patient Schwäche, Müdigkeit, Schwindel. Er kann Herzrasen bekommen, da das vorhandene Blut ja schneller durch den Körper gepumpt werden muss. Auch kann es zu Problemen bei der Temperierung kommen.

Bei fehlenden Thrombozyten hat der Patient ein sehr hohes Blutungsrisiko. Kleine Hämatome, wenn man sich irgendwo stößt sind da das harmloseste Problem.

Thrombozytenkonzentrate (TBK´s)


Unter anderem hier kann man Blutspenden gehen.

Eine Blutspende kann wirklich Leben retten und ist nicht nur für die Onkologie, sondern auch für das gesamte UKD und somit für die Patienten von großer Bedeutung. Denkt man zum Beispiel an akut blutende Patienten, Menschen nach einem Autounfall, Menschen, die verschiedenste Erkrankungen haben, die eine Transfusion notwendig machen…

Ich bedanke mich auch nochmal herzlich bei der Transfusionsmedizin, dass ich so spontan vorbei kommen durfte, um Bilder zu machen.

Das folgende Bild wurde mir von der KMT geschickt. Hier sieht man mal, welchen Bedarf allein 3 Patienten am Tag haben. TBK`s oder andere Blutprodukte sind hier nicht mit auf dem Bild. Die Station hat 14 Betten!


Falls ich dich jetzt neugierig gemacht habe, dann möchte ich dich gern auf die aktuelle Stellenanzeige aufmerksam machen. Zum nächstmöglichen Zeitpunkt werden

Pflegekräfte/Fachpflegekräfte

für Innere Medizin, Onkologie/Hämatologie/Knochenmarktransplantation, Neurologie und Strahlentherapie

in Vollzeit- oder Teilzeitbeschäftigung gesucht. Der Einsatz erfolgt nach dem üblichen Arbeitszeitmodell der Klinik. Dies bedeutet, dass du wissen solltest, dass ein 3 Schichtsystem auf dich zu kommt. Frühdienste, Spätdienste und auch Nachtdienste.

Der Einsatz kann in Übereinstimmung mit Deinen Wünschen und den Erfordernissen der Klinik in den Medizinischen Kliniken 1 und 3, der Neurologie, in der Nuklearmedizin, der Konservativen Notaufnahme, in der Strahlenklinik oder dem UniversitätsKrebsCentrum erfolgen.

Natürlich habe ich im Team der KMT mal rumgefragt, um euch wirklich auch mal einen Einblick gewähren zu können. Das Team ist ein sehr nettes und gemischtes aus jungen und älteren Kollegen. Ich weiß aus meiner Zeit noch, dass die Kolleginnen und Kollegen wirklich sehr nett sind und jeder Hilfe bekommt, wenn er Hilfe braucht. Ich finde das immer einen sehr wichtigen Aspekt. Wichtig zu wissen ist, dass die KMT sehr nah einer ITS ist. Es ist keiner beatmet aber es kann von jetzt auf gleich zu einem Notfall kommen. Dessen muss man sich einfach bewusst sein. Man sollte vor allem keine Angst haben und mit sich im reinen sein. Das Fachgebiet ist anspruchsvoll und nicht jeder Patient kann gerettet werden, dennoch empfinde ich das arbeiten in diesem Bereich als wundervoll und lehrreich.

Darauf kommt es an:

  • erfolgreicher Berufsabschluss als Gesundheits- und Krankenpfleger*In , gern mit Fachweiterbildungen Geriatrie, Onkologie, Neurologie, Nephrologie oder Notfallpflege.
  • Fähigkeit zur Selbstreflektion und ein hohes Maß an Verantwortungsbereitschaft. Sprich: Du solltest wissen, was du kannst und das natürlich auch einsetzen können. Allerdings ist es genauso wichtig zu wissen, an welchem Punkt man Hilfe der Kolleginnen und Kollegen braucht.
  • sehr gutes Kommunikationsverhalten und soziale Kompetenz. Gerade der Onkologische Bereich setzt viel Fingerspitzengefühl und Empathie voraus. In jedem Zimmer wartet ein anderes Schicksal auf einen, ich habe die Arbeit sehr geliebt, ich mochte auch den Austausch mit den Patienten. Allerdings muss man selbst einschätzen können, wann der Patient etwas weit über das medizinische hinaus braucht, Gespräche oder Ablenkung wie beispielsweise auch einfach mal über das sinnlose TV Programm reden oder Karten spielen. Auch das ist ein wichtiger Aspekt in der Onkologie. Die psychosoziale Komponente.
  • Zuverlässigkeit und Engagement

Darauf kannst du dich verlassen:

  • Bei uns erwartet Dich ein interdisziplinäres Team in einem hochspezialisierten Arbeitsumfeld, in dem Du dich bei vielseitigen und verantwortungsvollen Tätigkeit mit deinen Ideen und deinem Engagement einbringen kannst.
  • Du kannst das hauseigene „Fitnessstudio“ Carus Vital für einen kleinen Obolus nutzen und bei Fragen zur Kinderbetreuung durch Einrichtungen in direkter Nähe unterstützt dich das Familienbüro.
  • Die Teilnahme an berufsorientierten Aus-, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten in der Carus Akademie oder mit externen Anbietern werden unterstützt.
  • Die Nutzung des Jobtickets für die Öffentlichen Verkehrsmittel in Dresden und Umland ist nach der Probezeit möglich.

Habe ich dein Interesse geweckt? Dann nutze deine Chance und Schreibe deine Bewerbung unter Angabe der Kennziffer ZIM0120950 – am besten online. Dein Kontakt für Rückfragen: Frau Katrin Mattern, Tel.: 0351-458- 13385 oder Frau Gabriele Reinhardt , Tel.: 0351-458-12414 oder via Mail: zim-bewerbung.psd@uniklinikum-dresden.de.
Den Link zum direkten Bewerbungsformular habe ich dir beim Wörtchen „online“ mit verlinkt. Gern darfst du erwähnen, dass du über mich, Sarah Küttner/ Ossilinchen, aufmerksam geworden bist.

Nachgefragt im UKD – Ossilinchen trifft die KIK ITS

Am 22.09.2019 um ca. 2:00 waren die Wehen nicht mehr zu stoppen. Sie mussten jetzt per Kaiserschnitt geholt werden. So erblickte Till um 2:33 mit 580 Gramm und 30 cm Länge das Licht der Welt. Exakt um 2:34 Uhr kam Paul mit 490 Gramm und 30 cm zur Welt. Nach gerade mal 24 Wochen und 3 Tagen. Über 15 Wochen zu früh. Unsere Kinder kamen schwerkrank und extrem unreif zur Welt.

Luisa

Als ich auf Instagram gepostet habe, dass ich die KIK ITS gern mal besuchen möchte, kamen binnen kurzer Zeit wirklich viele Nachrichten von euch.  Eure Geschichten zur KIK ITS und somit auch die Lebensgeschichten eurer Kinder haben mich bewegt. Doch auch diejenigen, die keine direkte Verbindung zur KIK ITS haben, wollten mehr über diese Station erfahren. Grund genug, um selbst mal vor Ort vorbei zu schauen,  die Station kennenzulernen und Sie euch vorzustellen.

Eure Fragen, die Ihr mir auf Instagram geschrieben habt, habe ich natürlich alle mitgenommen und möchte sie in diesem Beitrag weiter unten auch beantworten. Dafür habe ich mich mit Frau Sommerfeld (Stationsleitung KIK ITS) , Schwester Anja Klein (Kinderkrankenschwester) und Herrn Radloff (PDL Frauen- & Kinderklinik) getroffen.


Doch kurz zurück zu Luisas Geschichte und Ihren Zwillingen. Ich habe von ihr auch die Erlaubnis bekommen, euch Bilder zu zeigen.

Unser Paul wurde am 8. Lebenstag mit etwas über 400 Gramm am Darm operiert. Er hatte dann einen künstlichen Darmausgang bekommen. Der bereits nach 1,5 Monaten zurück verlegt werden konnte. Beide hatten extreme Hautprobleme mit Verdacht auf eine seltene Hautkrankheit. Till hatte ganz lange mit seinem offenen Ductus zu kämpfen, der sich nicht verschließen wollte. Durch das FFTS (Fetofetales Transfusionssyndrom bei eineiigen Zwillingen -einer unter-der andere überversorgt) der beiden im Mutterleib hatte Till noch einen verdickten Herzmuskel, ebenso hatte er eine kleine Hirnblutung. Wir haben Kreislauf Zusammenbrüche, Bluttransfusionen, Infektionen und Ähnliches überstanden. Es ging immer kurz bergauf, um dann wieder ganz schnell bergab zugehen. Seit dem ersten Tag haben uns die Schwestern und Pfleger und natürlich auch die Ärzte immer wieder motiviert für unsere Kinder stark zu sein und uns immer wieder die Hoffnung gegeben nicht aufzugeben. Die Schwestern gestalten die Bettchen für die Kinder immer so schön farbenfroh.[…] Es sind nur Farben im Brutkasten, aber für die Eltern bedeutet das die Welt. 

Luisa
Mittlerweile sind Luisas Söhne prächtig entwickelt.
Nach 97 Tagen und bei 38+1, also 14 Tage vor dem eigentlichen Entbindungstermin durften sie das UKD verlassen. Mit zwei gesunden Babys.

Auch mit Schwester Sarah von KIK ITS habe ich gesprochen. Sie hat mir erzählt, was die Arbeit für eine Schwester so spannend und abwechslungsreich gestaltet.

Dieser Bereich ist sehr vielseitig. Zum einen sind es die sehr kleinen Frühgeborenen ab der 24. SSW, zum Teil nur mit einem Geburtsgewicht von 450 g, bis zum großen 18-jährigen, der auch mal locker über 80 Kilo wiegen kann. Bei den Krankheitsbildern ist von A bis Z alles dabei, sowohl chirurgische, unfallchirurgische, postoperative (nach einer OP) und eben alle internistischen Erkrankungen. Als Level 1 der Maximalversorgung natürlich auch in der Art die einzige Station in ganz Dresden. Es gibt auch mal onkologische Patienten, Diabetes Erstmanifestation, Suizide bei Jugendlichen, Verbrennungen, Ertrinkungen, neurolog. Erkrankungen, einfach alles. Zudem übernehmen wir die Erstversorgung kranker Früh- und Neugeborenen nach einem Kaiserschnitt, oder komplizierten Geburten. D.h. wir gehen auch mit in den Kreißsaal oder fahren mit dem Baby Notarztwagen in andere kleinere Krankenhäuser, sowie Geburtshäuser und auch in die Häuslichkeit, wenn es dort einem Neugeborenen schlecht geht. Wir versorgen und transportieren es zu uns auf Station. In kritischen Situationen fliegen wir auch mit dem Hubschrauber oder aber auch wenn hier ein Kind mit Herzfehler geboren wird und ins Herzzentrum Leipzig verlegt werden muss. Ansonsten sind wir Brandverletzten Zentrum für Kinder und haben zwei Brandverletzten Zimmer und das Brandverletzten Bad mit großer Badewanne. Und wir haben das Rea Telefon für den Rearuf in der Kinder- und Frauenklinik im Haus 21.

Um ehrlich zu sein waren in den Infos von Sarah auch für mich neue Perspektiven dabei. Mir war nicht bewusst, wie viel die KIK ITS abdeckt und an Versorgung übernimmt. Man darf auch nicht vergessen, dass nicht nur die Kinder betreut werden „müssen“, sondern auch die Eltern. Dass dieser Spagat mehr als gelingt, das zeigen mir eure Nachrichten.


Leonie wurde per Notsectio bei 27+6 geholt, mit 550 g / 31 cm. Die versorgenden Gefäße am Mutterkuchen waren zu.

Das Personal war das Beste, unser Hafen in all dieser Hilflosigkeit. Sie hatten immer ein Ohr für unsere Ängste und Sorgen. […]

Unsere Tochter bekommt jede Woche eine einzigartige Therapie auf dieser Station. […]

Die KIK ITS ist wirklich eine tolle Station, die einzigartige Schwestern und Ärzte zu bieten hat. Seit nunmehr 2 Jahren sind wir dort Dauergast und fühlen uns immer sehr wohl. […]

Ich arbeite selbst im UKD…

Mein Sohn kam 2010 nachdem ich 10 Wochen auf der Gyn verbrachte, 5 Wochen zu zeitig auf die Welt… Seine Herztöne sind stark abgefallen unter der Geburt und die nachfolgende Gelbsucht hat sich nicht gleich erholt.

Die Schwestern haben sich in der Zeit rührend um ihn und mich gekümmert, mir gezeigt, auf was ich in der Anfangszeit achten muss und mit gute Tipps gegeben. Durch die ITS Schwestern haben wir beispielsweise Olivenöl zum wickeln bei der Reinigung genommen und dadurch nieee einen Wunden Po gehabt…[…]

Heute ist er 10 Jahre und in der 4. Klasse. und wir warten gerade auf die Zusage fürs Gymnasium. Er ist ehrgeizig , wissbegierig und hatte seinen kleinen Nachteil schon im 2. Lebensjahr ausgeglichen.


KIK ITS, wunderbares Team. Habe mich über den Beitrag über die Entbindungsstation gefreut. Unsere 2 Kinder sind da zur Welt gekommen. Milan als Extremfrühchen in der 25. Woche….ist dann 13 Tage später auf der Kik Its verstorben…habe , wenn man das so sagen kann, nur gute Erinnerungen und bin den Ärzten und Schwestern so dankbar, dass sie uns die 13 Tage mit ihm geschenkt haben. Und an die Gyn, die in der Folge SS jede meiner Ängste ernst genommen haben, wenn ich fast jede Woche vor angst dort aufgeschlagen bin.

Mein Sohn lag als spätes Frühchen auf der ITS (das war 2009, als es die Perinatalstation noch nicht gab). Ich fand es wirklich beeindruckend, wie sorgsam die Pflegekräfte mit den Würmchen umgegangen sind, aber was es eben auch für eine unglaublich nervenaufreibende Arbeit ist. Ich könnte das nicht. Die Schicksale und von den piependen Maschinen mal ganz abgesehen. Ich ziehe den Hut vor der Leistung, die die Pflegekräfte jeden Tag bringen!!!


Nun möchte ich aber zu euren Fragen kommen:

Wie sieht ein Inkubator aus und was kann dieser alles?

Hier ist wichtig zu wissen, dass es nicht nur einen Inkubator gibt. Da gibt es Unterschiede. Der Inkubator selbst kann anwärmen und anfeuchten. 5 Stück auf Station können auch wiegen.

Das ist ein Inkubator

Dann gibt es noch die sogenannte „Giraffe“. Diese kann ebenfalls anwärmen und anfeuchten hat aber noch eine sogenannte Wärmevorhangfunktion. Wenn quasi die Luken am Rand für Tätigkeiten am Kind geöffnet sind, liegt es nicht in der Zugluft und kann auch nicht auskühlen. Gerade bei den ganz kleinen Frühchen sehr wichtig. Zudem kann man auch die obere Haube hochfahren, daher der Name Giraffe, da das ganze dann wie ein Giraffenhals aussieht. Vorteil hier: Die Eltern können sich auf ihrer Höhe an das Kind ankuscheln und auch das raus geben ist einfacher.

Das ist die Giraffe

Da es thematisch an der Stelle gut rein passt, möchte ich dir auch kurz noch das Equipment für den Transport eines Frühchens zeigen:

Dann gibt es noch einen Babytherm für die „größeren“ Kids ab der 30. SSW. Diese können mit Wärmeunterstützung arbeiten, müssen aber nicht immer Wärme abgeben. Das hängt von der Einstellung und den Bedürfnissen des Kindes ab. Die Haube oben kann offen sein. Die jeweilige Funktion wird eben von Pflege und/oder Arzt entschieden.

Wie groß ist das Team der KIK ITS?

Zählt man Pflege und Funktionsdienst zusammen, dann sind es über 80 Mitarbeiter.

Wie geht das Team mit dem Tod eines Kindes um?

Zuerst sollte man wissen, dass die KIK ITS in 2 Bereiche unterteilt ist. Die Pädiatrische Seite und die Neonatologische Seite. Bei den Neo´s (also den ganz, ganz kleinen Frühchen) kann es leider schnell passieren, dass die Kinder sterben. Dies kündigt sich auch nicht immer an. Natürlich fühlt das Personal da genauso mit, allerdings sind manchmal die Kleinen gerade erst aus dem Kreißsaal gekommen, nur wenige Stunden da, da baut sich nicht das große Verhältnis zu Eltern und Kind auf. Tragisch ist es immer, wenn ein Kind stirbt. Kündigt sich das Versterben eines Kindes an, dann ist es wichtig Eltern und Kind gut zu begleiten, das gelingt auf der Neo Seite ebenfalls so gut, wie auf der Pädiatrischen Seite. Hier ist es oftmals so, dass sowohl zum Kind, als auch zu den Eltern eine Bindung entsteht, da die kleinen doch auch länger da sind. Gerade hier nutzt das Personal auch gern das Angebot der Eltern, zur Beisetzung des Kindes zu kommen.

Sollte beispielsweise ein Kind unter Reanimation kommen oder es nach akuten Situationen sterben, dann gibt es sofort eine Nachbesprechung, um all die Dinge loszuwerden, die gerade akut auf der Seele liegen. Später gibt es dann nochmal einen Termin, bei dem Fragen gestellt werden können und alles nochmal in Ruhe besprochen wird.

Doch bei diesem schweren Thema sollte man auch die Eltern nicht vergessen. Diesen wird natürlich die Verabschiedung des Kindes möglich gemacht. Ebenfalls das Angebot eines Sternchenfotografen kann in Anspruch genommen werden. Damit die Eltern noch Erinnerungsfotos Ihres Kindes haben. Die Versorgung der verstorbenen Kinder beinhaltet immer die Körperpflege. Entweder durch die Eltern oder gemeinsam mit den Eltern und der Pflegekraft oder auch manchmal nur durch die Pflegekraft. Das obliegt den Eltern.

Vom Team gibt es immer Hand und Fußabdrücke der verstorbenen Kinder und auch ein kleines „Präsent“. Dieses beinhaltet dann einen Schmetterling oder einen Engel. Jeweils im Paar. Eine Figur geht mit zum Kind (ins Grab) und eine Figur bleibt bei den Eltern. Auch gibt es einen Stern, den man falten kann und im Seelsorgezentrum an die Wand pinnen kann.

Nachgespräche auch etwas später sind für die Eltern immer möglich.

– Was war der einprägsamste Fall auf KIK ITS?

Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten. Jeder empfindet „einprägsam“ auch anders. Daher kann die Frage leider nicht beantwortet werden.

– Wo genau ist die KIK ITS?

Du findest die KIK ITS im Haus 21 in der 1. Etage.

Haus 21 befindet sich im grünen Bereich B.

– Bis zu welchem Alter kommen die Patienten auf Station?

Alle bis zum 18. Lebensjahr. Ausnahmen gibt es bei Alkohol intoxikierten Kindern, die dann schon ziemlich schwer und groß sind, die können auch mal auf die Innere ITS gehen.

– Wie viele Kinder betreut eine Schwester pro Dienst?

Maximal 3 Patienten. Wenn ein Kind eine 1 zu 1 Betreuung braucht, dann wird da drauf geachtet, dass man das im Dienst umsetzen kann.

– Ist Corona ein Thema auf Station?

Natürlich ist auch auf KIK ITS Corona ein Thema. Eben wie in jedem Bereich im UKD. Die Vorbereitungen waren sehr gut, es wurden Betten für eventuell kommende Corona Patienten freigehalten. Es gab ein spezielles Reanimationstraining für an Covid 19 erkrankten Patienten und auch das An- & Auskleiden der Schutzmaterialien wurde geübt. Glücklicherweise wurde kein Kind mit Corona eingeliefert und die Betten können wieder normal belegt werden.

Vor allem die Besuchsverbote waren für die Eltern aber auch Geschwisterkinder eine große Herausforderung. Da waren viele Gespräche nötig, damit die Eltern ihren Kindern so nah wie möglich sein können. In Ausnahmefällen durfte wenigstens die Mama auf Station, allerdings wurden eben die Papas gänzlich außen vor gelassen.

Seit 25.05.2020 ist das ganze glücklicherweise auch wieder gelockert.

Was ich ganz spannend fand war die Info, dass auch Geschwisterkinder (außerhalb der Corona Zeit) prinzipiell die Möglichkeit haben zu Besuch zu kommen. Hier schaut der Kinderarzt, ob die Kids auch gesund sind und dann dürfen sie wenigstens mal mit ins Zimmer. Kuscheln oder anfassen ist aber (vor allem bei den Frühchen) verboten.

– Wird man während der Ausbildung zur Kinderkrankenschwester am UKD auch auf KIK ITS eingesetzt?

Im Rahmen des Wunscheinsatzes ist dies prinzipiell möglich. Allerdings entscheidet das die Schule.

– Gibt es feste Ansprechpartner für Schüler auf Station?

Ja! Genauso wie neue Mitarbeiter, bekommen auch Azubis einen Mentor.


Generell muss man sagen, dass das Portfolio auf Station enorm groß ist. Alles, was bei den Erwachsenen in einzelne Station gegliedert ist, ist geballt auf KIK ITS zu finden. Besonders gefallen hat mir auch, dass das Thema Stillberatung ein großes ist. Zertifizierte Stillberater begleiten die Mamas , damit sie irgendwann ihre Kinder auch voll stillen können. Auch abgepumpte Milch bekommen die Kinder.

Auch gefällt mir das Angebot des FamilieNetz. Sicherlich ist der Start für Familien, deren Neugeborenen auf KIK ITS liegen nicht der leichteste. Gemeinsam mit dem FamileNetz soll Sicherheit aufgebaut werden, Vertrauen und darauf hingearbeitet werden, dass das Kind zu Hause von den Eltern betreut werden kann. Das genau dieses Angebot Gold wert ist, das zeigen mir eure Nachrichten.


Wenn du nun neugierig geworden bist und dich bewerben möchtest, dann habe ich gute Nachrichten. Aktuell gibt es freie Stellen auf  KIK ITS. Zum nächstmöglichen Zeitpunkt werden

Pflegekräfte/Fachpflegekräfte für die neonatologische und pädiatrische Intensivmedizin

in Vollzeit- oder Teilzeitbeschäftigung. Der Einsatz erfolgt nach dem üblichen Arbeitszeitmodell der Klinik. Hiermit ist das 3 Schichtsystem, also Früh-, Spät-, und Nachtdienst gemeint. Ich kann aber aus Erfahrung sagen, dass man wirklich versucht Lösungen gerade für Familien zu finden. Natürlich kann man nicht täglich von 8 bis 16.30 Uhr arbeiten aber die zuständigen Stationsleitungen bemühen sich wirklich sehr, jedem entgegen zu kommen, damit man Familie und Beruf unter einen Hut bekommt.

Mit Schwester Anja von der KIK ITS habe ich ebenfalls gesprochen, damit du dir einen kleinen Einblick verschaffen kannst. Dich erwartet auf KIK ITS ein offenes und herzliches Team, welches untereinander auch im reinen ist. Du lernst nie aus, lernst quasi jeden Tag neues dazu und arbeitest vielfältig. Auch die Zusammenarbeit mit den Eltern ist sehr wichtig, schließlich sollen und müssen sie in jede Handlung an Ihrem Kind einbezogen werden.

Darauf kommt es an:

  • erfolgreicher Berufsabschluss als Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger*in, gern mit Fachweiterbildung für Anästhesiologie und Intensivmedizin
  • Fähigkeit zur Selbstreflektion und ein hohes Maß an Verantwortungsbereitschaft-> heißt: Man sollte seine Fähigkeiten und Kompetenzen schon abschätzen können und auch Wissen, an welchem Punkt man sich Hilfe holen sollte. Das hat auch gar nichts mit Versagen zu tun. Nicht jeder kann alles Wissen, dafür arbeitet man im Team zusammen.
  • Einsatzbereitschaft, angemessenes Kommunikationsverhalten, soziale Kompetenz.

Darauf  kannst Du dich verlassen:

  • Bei uns erwartet Dich ein interdisziplinäres Team in einem hochspezialisierten Arbeitsumfeld, in dem Du dich bei vielseitigen und verantwortungsvollen Tätigkeiten mit Ideen und Engagement einbringen kannst. Teamarbeit lebt von jedem einzelnen. Und jeder kann von jedem etwas lernen, genau das macht es ja auch aus  und so spannend.
  • Du kannst das Carus Vital nutzen, um dich fit zu halten. Dieses befindet sich im UKD Gelände und ist nur für Mitarbeiter*innen gedacht. Bei Fragen zur Kinderbetreuung durch Partnerschaften mit Einrichtungen in direkter Nähe des UKD steht dir das Familienbüro zur Seite.
  • Die Teilnahme an berufsorientierten Aus-, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten in der Carus Akademie oder mit externen Anbietern werden durchs UKD unterstützt. Hier wendest du dich einfach an deine Stationsleitung und deine PDL.
  • Die Nutzung des Jobtickets für die Öffentlichen Verkehrsmittel in Dresden und Umland ist möglich, allerdings erst nach der Probezeit.

Hab ich dein Interesse geweckt? Dann nutze doch gern deine Chance und bewerbe dich unter Angabe der Kennziffer UKF0120957 – am besten online. Dein Kontakt für Rückfragen: Herr Mirko Radloff, Tel.: 0351-458-12364 oder via Mail: ukf-bewerbung.psd@uniklinikum-dresden.de.

Bei dem Wörtchen „online“ habe ich dir das direkte Online- Bewerbungsformular verlinkt. Gern darfst du erwähnen, dass du über mich, Sarah Küttner/ Ossilinchen, aufmerksam geworden bist.


Zum Abschluss möchte ich dir noch ein Zimmer von der Pädiatrischen Seite der KIK ITS zeigen.